Nr. 47/2011 vom 24.11.2011

Nonchalance

29 Jahre nachdem The Clash, die Punkband, die es auf die US-Stadionbühnen geschafft hatte, an ihren Egos zerbrach (wie Julien Temples Film «Joe Strummer – The Future Is Unwritten» (2007) illustrierte) und neun Jahre nachdem Clash-Sänger und -Gitarrist Joe Strummer starb, ist die schönste Hommage erschienen, die diesem musikalisch offenen Londoner Quartett je erwiesen wurde: «The CLASHification of Dub» des zürcherisch-luzernischen Quartetts mit dem Kalauer-Namen Dub Spencer & Trance Hill.

Die CD-Hülle ist eine Abwandlung jener des Clash-Albums «Give ’em Enough Rope» (1978). Das ist ein methodisches Zitat der Clash, die für ihre «London Calling»-Doppel-LP Elvis’ «1956»-Albumcover adaptierten. Das Stimmige der Hommage endet hier nicht. Denn Dub Spencer & Trance Hill lassen zwölf Clash-Songs die Verdubbung angedeihen, also die Übersetzung in instrumentalen Reggae. Auf den ersten Blick überrascht das nicht, experimentierten doch auch The Clash selbst mit Dub-Versionen. Doch die vier Schweizer arbeiten nicht nur die vermeintlich Reggae-tauglichsten Stücke um («Armagideon Time», «Police and Thieves», «Guns of Brixton», «Bankrobber»), sondern auch Funkrhythmen wie etwa in «Should I Stay or Should I Go», «The Call Up» und «The Magnificent Seven» und Rockstücke wie «London Calling» und «Lost in the Supermarket».

Hochgradig überraschend ist die Version von «This Is England», im Original auf dem viel geschmähten Album «Cut the Crap» (1985) enthalten. Jene späte Clash-Phase – Strummer und der Bassist Paul Simonon plus drei hoffnungsvolle Frischlinge – wird allgemein geächtet. Dub Spencer & Trance Hill gewinnen aber auch diesem Stück eine runde Luftigkeit ab. «The CLASHification of Dub» bringt ein Dutzend gelungener, sparsamer Verfremdungen, aus denen die Liebe zu den Originalversionen spricht. Kennerinnen wie Nichtkennern jener stilbildenden Musik der Jahre 1980 bis 1985 bietet diese CD eine wunderbare Reise in Raum und Zeit. Raphael Zehnder

Dub Spencer & Trance Hill: «The CLASHification of Dub». 
Echo Beach/Nation Music.

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