Nr. 49/2011 vom 08.12.2011

Der Geiz der Adventszeit

Von Stephan Pörtner

Das Einkaufen im nahen Ausland erfreute sich grosser Beliebtheit. Weil dort alles billiger war, konnte man sich mit Krempel, den man weder brauchte noch wollte eindecken, bis es ächzte. Geld sparte man nicht, der Umwelt fügte man Schaden zu, aber das Schöne war, dass man die Bewohner jener Zone trietzte, in der das Geld bald nichts mehr wert war, die sich abrackern mussten und doch viel weniger kaufen konnten als man selbst. Darum begegneten sie einem mit kaum verhohlener Missgunst und knapp unter der Oberfläche brodelndem Neid, was ihnen natürlich überhaupt nichts nützte, aber dem eigenen Selbstwertgefühl ungemein wohl tat.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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