Nr. 17/2020 vom 23.04.2020

Eingesperrt in die eigene Erfahrungswelt

Von Stephan Pörtner

Dass die meisten Leute schon nach fünf Wochen Zu-Hause-Bleiben bei weiterhin bewilligten Spaziergängen im Freien und täglichen Einkaufserlebnissen leicht hysterisch wurden, sprach nicht gerade für die Resilienz der Bevölkerung. Wessen Wohlbefinden und Selbstwertgefühl auf Anerkennung durch die Mitmenschen fusste, der durchlebte harte Zeiten. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn die verordneten Massnahmen länger anhielten oder gar verschärft würden. Wenig Trost spendete die Tatsache, dass im selben Land Menschen in unterschiedlichsten Umständen und unter harschen Bedingungen in Wohnungen oder Zellen isoliert und in ihrer Bewegungsfreiheit viel stärker eingeschränkt waren, weil das individuelle Leiden nur an der eigenen Erfahrungswelt gemessen werden konnte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im September ist sein neuer Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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