Nr. 49/2019 vom 05.12.2019

Horden in Hüttendörfern

Von Stephan Pörtner

Cummerbund hatte bereits im Frühling ein Start-up gegründet, mit dem Ziel, die Weihnachtsmärkte mit disruptiven Adventskränzen zu überschwemmen, die statt mit vier mit fünf Kerzen bestückt waren und so für dasselbe Geld 25 Prozent mehr Festtagszauber boten und – so seine Überlegung – bei den Abermillionen von Shoppenden, die schon Ende November über die an jeder zweiten Strassenecke aufgestellten Hüttendörfer hereinfielen, um sich nur mittels starker Gewürze trinkbar gemachten Rotwein einzupfeifen und sowohl Dreizehnten wie Gratifikation für Glitzerzeug zu verschleudern, reissenden Absatz finden würden. Doch hatte er nicht mit der Traditionsbesessenheit ebendieses Kundensegments gerechnet und musste schon am ersten Advent Konkurs anmelden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im September ist sein neuer Köbi-Krimi «Pöschwies» im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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