Nr. 50/2011 vom 15.12.2011

Geschäftsleitung für die Basisdemokratie?

Vor einem Monat wurde das älteste nicht kommerzielle Alternativradio der Schweiz, das LoRa in Zürich, 28-jährig. Schönstes Geburtstagsgeschenk war der Gleichstellungspreis der Stadt Zürich in Höhe von 20 000  Franken, den der Stadtrat der Frauenredaktion und den Macherinnen des Sendegefässes «Die Hälfte des Äthers» verlieh. Die Sendung biete vielen Frauen ein Sprungbrett, um als Moderatorinnen, Sendungsmacherinnen, Sängerinnen oder Autorinnen Erfahrungen zu sammeln, hiess es zur Begründung.

Doch die Feststimmung hielt nicht lange an – beim LoRa ist ein Konflikt eskaliert, von Kündigungen ist die Rede und von Vertrauensbruch. Mitglieder erhielten in den letzten Tagen von beiden Konfliktparteien (der Betriebsgruppe, also den acht Teilzeitangestellten einerseits, dem Stiftungsrat und dem gewählten Vereinsvorstand andererseits) separate Post.

Auslöser für den Streit war das sich abzeichnende Betriebsdefizit, das 2011 höher auszufallen drohte als gewohnt. Stiftungsrat und Vorstand hatten dies zum Anlass genommen, um ohne Einbezug der Betriebsgruppe ein neues Strukturmodell mit einer budgetverantwortlichen Geschäftsleitung sowie einer Stellenreduktion von 440 auf 380 Prozent vorzuschlagen. Im neuen Modell, das an alle Mitglieder verschickt wurde, ist die Frauenstelle nicht mehr aufgeführt. Vorstandsmitglied Urs Strub erklärt auf Anfrage, die Frauenstelle solle «sicher nicht abgeschafft werden», man habe das vielleicht «nicht sensibel genug» dargestellt im Organigramm. Die Betriebsgruppe lehnt die Vorschläge, vor allem die Hierarchisierung, in ihren schriftlichen Mitteilungen entschieden ab. Darüber hinaus will sie sich zurzeit nicht äussern. Für den 21. Dezember ist eine ausserordentliche Vollversammlung einberufen worden. rw

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