Nr. 15/2012 vom 12.04.2012

In Erinnerung an Günter Amendt (1939–2011)

Von Fredi Bosshard

Am 12. März 2011, einem gewöhnlichen Samstagnachmittag, verloren bei einem Raserunfall an einer Kreuzung in Hamburg-Eppendorf vier Menschen ihr Leben. Kurz vorher sassen sie, wie so oft am Samstag, bei Kaffee und Kuchen zusammen, um sich über den Lauf der Welt zu unterhalten. Wie so oft gingen sie dann auf dem Weg nach Hause noch schnell beim Bäcker vorbei und warteten anschliessend am Fussgängerstreifen auf Grün. Plötzlich kam ein Auto durch die Luft geflogen und krachte in die wartende Menschengruppe. Neben dem Sozialwissenschaftler und langjährigen WOZ-Autoren Günter Amendt verloren die Künstlerin Angela Kurrer, der Schauspieler Dietmar Mues und seine Ehefrau, die Lehrerin Sibylle Mues, ihr Leben. Drei weitere Personen wurden verletzt.

Seit Ende März wird nun vor dem Hamburger Landgericht über den Fall verhandelt. Alexander S., der angeklagte 39-jährige Fahrer, gibt sich schweigsam. Laut Anklage hatte er wegen eines epileptischen Anfalls die Kontrolle über sein Auto verloren. Er war auf der innerstädtischen Strasse mit rund hundert Stundenkilometern unterwegs und kollidierte mit einem anderen Fahrzeug, als er ein Rotlicht überfuhr. Die Anklage wirft ihm fahrlässige Tötung in vier Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in drei Fällen vor.

Mehrere Sachverständige kommen in ihren Gutachten zum Schluss, dass der Fahrer wegen eines epileptischen Anfalls zur Tatzeit schuldunfähig war. Nun werden 28 ZeugInnen und 4 Sachverständige vernommen. Das Urteil wird im Mai erwartet. Vielleicht wird auch die Frage geklärt, ob jemand, der schon früher aufgrund epileptischer Anfälle schwere Unfälle verursacht hat, am Steuer eines Autos sitzen sollte.

Wir aber erinnern uns mit Trauer an einen glänzenden Autor und guten Freund.

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