Nr. 19/2012 vom 10.05.2012

Agent Orange in London

Von Alice Rombach

Während des Vietnamkriegs wurde von der US-Armee Agent Orange, ein hochgiftiges Entlaubungsmittel, eingesetzt. Ebenso Napalm – eine zähflüssige Brandwaffe, die auf der Haut kaum zu löschen ist. Beide wurden von der Firma Dow Chemical hergestellt. Der Chemiekonzern ist Grosssponsor der Olympischen Sommerspiele und der Paralympics in London 2012. Es soll der Auftakt einer Förderpartnerschaft zwischen dem Unternehmen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bis 2020 sein.

Dagegen protestieren jetzt verschiedene Länder und Organisationen. Denn die Folgen von Agent Orange sind noch heute für drei Millionen Menschen zu spüren – als Krebserkrankungen und durch Geburtsschäden, die sich auch in der dritten Generation der Betroffenen fortsetzen. Hinzu kommen massive Umweltzerstörungen. Als sich 1984 im indischen Bhopal in einem Chemiewerk von Union Carbide ein Giftgasunfall ereignete, starben rund 20 000  Menschen, über 100 000  leiden seitdem unter chronischen Gesundheitsschäden. Seit 2011 ist Union Carbide eine Tochtergesellschaft von Dow Chemical.

Seit Jahrzehnten will die Konzernleitung keine Verantwortung für die negativen Auswirkungen ihrer Produkte übernehmen. «Weder die Opfer von Agent Orange noch jene der Chemiekatastrophe haben vom Konzern je eine Entschädigung erhalten», sagt die Vereinigung Schweiz-Vietnam. In einem Offenen Brief wehrt sie sich mit dreizehn weiteren Organisationen dagegen, dass Dow Chemical während Olympia eine Werbeplattform erhält. Auch der vietnamesische Minister für Kultur, Sport und Tourismus hat sich mit einem Brief, in dem er grundlegende Bedenken äussert, an das IOC gewendet. Das Team der indischen SportlerInnen hatte zudem einen Boykott der Olympischen Sommerspiele angekündigt und wird nun unter Protest teilnehmen.

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