Nr. 19/2012 vom 10.05.2012

Pflegen, putzen, kümmern

Von Susan Boos

Früher nannte man sie «Dienstmädchen» – und heute? Eine klare Berufsbezeichnung fehlt. Sie putzen, ziehen fremde Kinder gross oder hüten gebrechliche Menschen. Sie kommen aus Polen, aus der Slowakei oder von irgendwoher. Sie leisten einen beachtlichen Beitrag zur sogenannten Care Economy, der Ökonomie des Pflegens und Sorgens.

Die österreichische Journalistin Sibylle Hamann widmet ihren Report «Saubere Dienste» der privaten Sorgeökonomie. Frauen erzählen darin, wie sie zwischen zwei Welten hin und her pendeln. Oft verbringen sie zwei Wochen zu Hause und versuchen, ihre eigenen Familien zusammenzuhalten. Die nächsten zwei Wochen verbringen sie in einem fremden Haushalt, weit von zu Hause entfernt, um rund um die Uhr einen gebrechlichen Menschen zu betreuen. Hamann beschreibt die Betreuungsarbeiterinnen aber nicht nur als Opfer. Manche gehen auch sehr bewusst in die Fremde und bauen sich, zum Beispiel fernab eines schlagenden Ehemannes, ihr eigenes Leben auf. Emigration kann auch Befreiung sein.

Hamann hält ein Plädoyer für «Berechenbarkeit, Ehrlichkeit und neue Regeln». Die europäische Fremdenbürokratie denke sich viele Schikanen aus, um den Menschen, die sich um unsere alten Menschen oder unsere Kinder kümmerten, das Leben möglichst schwer zu machen. Und Hamann fragt: «Welchen Sinn macht es, ausgerechnet die wichtigen Bezugspersonen in permanenter Unsicherheit zu halten? (…) Was läge eigentlich näher, als die Dienstleisterinnen aus der Halblegalität in den Privathaushalten herauszuholen und sie in den offiziellen Arbeitsmarkt zu integrieren?»

Hamann zeigt auf, wie das rechtlich machbar wäre, wenn man nur wollte. Und sie schaut dort hin, wo viele wegschauen – weil es einem peinlich ist, da man vielleicht selbst jemanden hat, der sich um die Kinder kümmert oder putzt. Das macht es aber nur schwieriger für die betroffenen Frauen: «Wichtig ist die Botschaft: Der Haushalt mag ein intimer, ‹privater› Ort sein – ein rechtsfreier Raum ist er nicht, und wer dort arbeitet, ist kein Freiwild.»

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