Nr. 21/2012 vom 24.05.2012

Donna Summer (1948–2012)

Von Knud Kohr

Donna Summer (1948–2012)

«Love to Love You Baby»: Mit diesen Worten machte Donna Summer 1975 einer ganzen Generation von Jungen bewusst, dass sie anders sind als all die anderen kleinen Mädchen. Auf der Albumversion simuliert sie 22 Orgasmen in 17 Minuten. Zu vollständig synthetischer Musik, wie sie zuvor nur von Künstlern wie Karlheinz Stockhausen und Tangerine Dream produziert wurde. Und jetzt war diese Musik plötzlich in der Disco zu hören. Summer, 1948 als LaDonna Adrian Gaines in Boston geboren, kam 1969 nach München, um in der deutschen Fassung des Musicals «Hair» zu singen und als Ensemblemitglied schauderhafte Singles wie «Wassermann» (Aquarius) einzuspielen.

Mitte der siebziger Jahre wurde München mit Produzenten wie Giorgio Moroder für wenige Jahre zum Mittelpunkt der Musikwelt. Gemeinsam mit Summer, die ihre Songs immer zumindest selbst mitschrieb, hatte Moroder ein Hit nach dem anderen. Ende der Siebziger drang Summer in bis dahin unerreichte kommerzielle Dimensionen vor: Drei Doppelalben hintereinander an der Spitze der US-Charts hatte noch niemand zuvor geschafft. Bis heute hat sie 130 Millionen Tonträger verkauft.

Zudem wurde klar, dass Summers stimmliche Ausdruckskraft bis dahin unterschätzt worden war. Zwischen 1979 und 1984 gewann sie fünf Grammys in so unterschiedlichen Kategorien wie Dance, Gospel und Rock, letzteren für «Hot Stuff». Weltweiten Erfolg brachte ihr auch «She Works Hard for the Money». Der Respekt, den sie als Songschreiberin dafür erntete, wurde überschattet von homophoben Äusserungen der gläubigen Christin. 1991 bezog die dreifache Mutter mit dem Album «Mistaken Identity» und der Single «Let there Be Peace» Stellung gegen den ersten Golfkrieg.

In den letzten Jahren lebte Summer mit ihrem zweiten Ehemann Bruce Sudano in Englewood, Florida. KollegInnen wussten immer um ihre Bedeutung. Brian Eno nannte ihren Sound einst «die Musik der Zukunft». Jim Kerr bekannte, ohne Summers «I Feel Love» wohl niemals die Simple Minds gegründet zu haben. Und Beth Ditto widmete ihr auf dem letzten Gossip-Album einen Song. Am 17. Mai starb Donna Summer mit 63 Jahren an Lungenkrebs. Das Album, an dem sie bis zum Schluss arbeitete, muss unveröffentlicht bleiben.

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