Schweizer in der Waffen-SS : Immer wieder die alten Seilschaften

Nr.  26 –

Einst war er Posthalter, nun ist er pensioniert, aber immer noch ein Bewunderer der Waffen-SS: Vincenz Oertle. Seit kurzem wird sein Buch «Ein Appenzeller in der Waffen-SS» im rechtsextremen Buchversand «Neue Zeitwende» angeboten. Herausgegeben hat es der Verlag Druckerei Appenzeller Volksfreund. Verleger Markus Rusch lobte bei der Buchvernissage Vincenz Oertle als Kenner der Militärgeschichte. In Tat und Wahrheit ist Oertle ein Verharmloser des deutschen Nationalsozialismus.

Oertle, Jahrgang 1942 und gemäss Klappentext ehemals Feldweibel der Panzertruppe, trat schon in den neunziger Jahren als Mitglied der Militärhistorischen Arbeitsgemeinschaft (Mihag) Schweiz auf. Diese verbreitete ihre Mitteilungen in «Der Freiwillige», der Zeitschrift von Ehemaligen der Waffen-SS. Auch in seinem Buch rühmt sich Oertle seiner Freundschaft zu Ehemaligen von Hitlers Terrortruppe.

Oertles Buch erschöpft sich weitgehend in zusammengefassten Lebensläufen. Rund 800 Schweizer traten im Zweiten Weltkrieg der Waffen-SS bei. So rühmt Oertle den Kavalleriemajor und SS-Standartenführer Heinrich Hersche, der in Appenzell-Innerrhoden aufgewachsen war und 1935 im Kanton Bern auf der Nationalratsliste der Nationalen Front kandidierte.

Oertle verbreitet, was Rechtsextreme gerne hören: Kaum jemals in der Geschichte sei «über einem Besiegten ein derartiges Gewitter an zu Dogmen erhobener Geschichtsfälschungen, Lügen und Verleumdungen niedergegangen wie über Deutschland, den Deutschen, dem deutschen Soldaten und damit auch über den ausländischen Freiwilligen». Welche «Geschichtsfälschungen» (Kriegsschuld? Holocaust?) er meint, führt Oertle nicht weiter aus, doch der Grundtenor ist offensichtlich: Es geht ihm darum, die Befreiung Deutschlands vom Naziregime zu diskreditieren.