Nr. 49/2012 vom 06.12.2012

Hendrix im Unterengadin

Von Köbi Gantenbein

Wir alle tragen Bilder aus unserem Kinoleben mit uns. Mir ging Jimi Hendrix ans Herz, als er im Film über das Woodstock-Festival seine Version der US-Nationalhymne aus den Boxen des Kinos Landquart jaulen und scheppern liess. Wenn schon Tradition interpretieren, dann zünftig.

Nun ist Hendrix im Unterengadin angekommen. In «Und zwischen uns das Meer. Ein Heimatroman» der Kapelle Giodim tönt die Erinnerung an die USA ebenso ergreifend wie einst im Kino. Statt verzerrter Gitarre gibt es turbulente Saxofonklänge von Niculin Janett. Bald aber wechselt die Kapelle zum Wälzerli. Das Stück ist programmatisch für die CD «Der rumantsche Liederabend», den die drei Musikerinnen und die vier Musiker um Curdin Janett aufführen. Tief tauchen sie ein in die Tradition der Unterengadiner Ländler- und Volksmusik und spielen, was wir so noch nie hörten. Verbindungen, Verknüpfungen und musikalische Erinnerungsfetzen weben sie zu einem schillernden Klangteppich.

Curdin Janett, der Arrangeur, ist einer der Fränzlis da Tschlin, jener Kapelle, die die zeitgenössische Volksmusik in der Schweiz in Schwung hält. Die CD seiner Kapelle Giodim vereint siebzehn Unterengadiner Lieder, darunter Evergreens wie das wunderschön melancholische Lied «Randulin», das von der Schwalbe berichtet, die dem Fräulein sagt, dass es nie heiraten werde, oder der Gassenhauer «Ferm Tabac» von Men Rauch, in dem der Jäger Barba Peder den Teufel in die Luft sprengt.

Wenn schon die US-Hymne zu Unterengadiner Ehren kommt, so darf die romanische nicht fehlen. In «Amur furtünada» findet «Chara lingua» eine etwas ramponierte und zerbrechliche Zuversicht, die dem Romanisch und seinen Helden zurzeit eigen ist. «Der rumantsche Liederabend» ist eine weitere Perle in der reichen Kette zeitgenössischer Volksmusik. Sie stösst das Fenster zur Welt auf und lüftet die heitere Musik von gestern und vorgestern aus.

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