Volksmusik : Sehnsucht nach Tschlin

Nr.  47 –

Melancholisch seufzt das Cello. Spitz gibt die Bratsche den Takt an. Die Klarinette steigt in die Melodie ein. Die Geige sekundiert. Schliesslich weisen Bratsche und Bassgeige den Weg zum kurzen Walzer «Sorriso» der Fränzlis da Tschlin. Die Volksmusikkapelle besteht aus Mitgliedern der Familie Janett. Die haben zwar ihren Sehnsuchtsort in Tschlin, sie leben aber im Thurgau, in Freiburg, in Zürich sowie in Stuls oberhalb von Bergün. Einst eine reine Männerkapelle, wie es in der Volksmusik Sitte und Brauch ist, sind die Fränzlis mit Anna Staschia, Cristina und Madlaina Janett nun mehrheitlich eine Frauenkapelle. Auf dem neuen Album «No. 5 – Tschinch» zeigen sie, wie selbstverständlich ein Generationenwechsel in einer Musikfirma funktionieren kann. Am Bass steht nach wie vor Curdin Janett, die Klarinette bläst Domenic, ihre Töchter spielen Cello, Bratsche und Violine. Und so ist die zweite Generation Fränzlis näher an der Musik ihres musikalischen Urgrossvaters Fränzli Waser, in der die Streichinstrumente den Ton angegeben hatten.

1996 erschien «Pariampampam», das erste Album der Fränzlis. Seither bleiben sie sich und ihrem Sehnsuchtsort treu. Das stoische Selbstbewusstsein und die unvermindert gleiche musikalische Freude der zwei alten Janett-Männer und drei jungen Janett-Frauen sind erstaunlich stabil. Wie trostreich, dass die Welt nicht immer neu erfunden werden muss und doch schön tönt. Achtzehn Mazurken, Polkas, Walzer, Ländler und Galopps haben die Fränzlis auf ihrem fünften Album versammelt. Gut die Hälfte sind traditionelle Stückli. Aber auch neue Kompositionen wie die «Olga an der Wolga» von Cristina Janett sind zu hören. Dieses Stück zeigt, wie sich die Kapelle doch verändert: Ihre Musik ist feiner, leiser und sanfter geworden – Kammermusik ganz und gar nun. Und statt der Kornettklagen, die Duri Janett in der alten Fränzli-Besetzung dem Walzer «Sorriso» einst schenkte, seufzt nun das Cello von Cristina melancholisch die Melodie.

Ils Fränzlis da Tschlin: No. 5 – Tschinch. Zytglogge