Nr. 02/2013 vom 10.01.2013

Klopfzeichen aus dem Jenseits

Von Fredi Bosshard

Der Luzerner Gitarrist Christy Doran hat alle Kompositionen für die soeben erschienene CD des Trios Doran / Känzig / Kuratli geschrieben. Das muss vor über zehn Jahren passiert sein, denn sie wurden bereits 2002, an zwei Tagen im September, im Radiostudio Zürich eingespielt. Dann gerieten die Aufnahmen in Vergessenheit, bis sie dem Bassisten Heiri Känzig wieder in die Finger gerieten, der sie nach zehn Jahren «neu» hörte und wusste, dass er eine Trouvaille in Händen hielt.

Der feinsinnige und kraftvolle Schlagzeuger Fabian Kuratli, einer der zentralen Impulsgeber der Berner und Schweizer Jazzszene, verstarb im August 2008 mit erst 38 Jahren an Krebs. Er war Teil von Dorans Quintett New Bag und spielte in Känzigs Quartett Acoustic Strings. Das Trio Doran/Känzig/Kuratli war die «akustische Essenz» davon. Somit war auch der Titel für die soeben erschienene CD gegeben: «A Tribute to Fab». Die Aufnahmen zeigen, wie es Kuratli verstand, die Jazzelemente unaufdringlich mit Dancefloorsounds zu verbinden und so zusammen mit Känzig am fünfsaitigen Kontrabass den Boden für Dorans Ausflüge auf der akustischen Gitarre zu bereiten. Es ist eine Freude, Doran zur Abwechslung auf dem akustischen Instrument zu hören. Alle drei sind Solisten und Ensemblespieler zugleich. Sie umarmen sich voller Spielfreude, tanzen gemeinsam im «Beautiful No-Man’s-Land», geniessen den «Caviar» und bewegen sich in «Moving East» behutsam in Richtung Indien. Die Musik von Doran, Känzig und Kuratli ist nach zehn Jahren frisch wie eh, euphorisierend und zeitlos. Sie setzen mit «No Rest for the Wicked» zu einem Höhenflug an und lassen die CD mit «Resounding» leicht wehmütig ausklingen.

Am 17. Januar spielen Doran und Känzig in der Vidmarhalle Bern-Liebefeld bei BeJazz. Dabei übersetzt der Schlagzeuger Gerry Hemingway die Klopfzeichen aus dem Jenseits von Fabian Kuratli. Es ist mit weiteren Séancen dieses Trios zu rechnen.

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