Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

An Höhe gewinnen

Von Fredi Bosshard

Sie sind ganz fein hingetupft und sparsam gesetzt, die ersten Klänge, die auf der neuen CD des Violinisten Tobias Preisig zu vernehmen sind. Sie trägt «Drifting» als Titel. Zu seinem Quartett gehören weiter der Pianist Stefan Aeby, der Bassist André Pousaz und der Schlagzeuger und Perkussionist Michi Stulz. Ihre 2011 veröffentlichte CD hiess «In Transit», und mit «Drifting» heben sie nun ab, aber eher mit einem Heissluftballon, der ruhig über der Landschaft schwebt. Sie nutzen die Thermik wie im Segelflugzeug, gewinnen an Höhe, ohne die Kräfte zu strapazieren.

Mit «Free Falling» beginnen sie ihre Reise, arbeiten gemeinsam an einem zarten Mosaik, bei dem jedes Instrument mit pastellfarbenen Sounds zu einem braun getönten Herbstbild beiträgt. Zu der sanft gestrichenen Violine klöppeln Perkussionsinstrumente, Zimbeln erklingen, der Bass tänzelt im Hintergrund, und Aeby lässt das Fender Rhodes dazwischenschlieren. Ihr freier Fall wird auf moosigem Boden abgefedert. «Splendid» hingegen versetzt uns in den Frühsommer, das aufschiessende Grün eines Rapsfeldes erhebt sich aus der Musik. Die gelben Blüten sind kurz davor, sich auszustülpen und ihre Kelche der Sonne entgegenzurecken.

Die einzelnen Titel sind kammermusikalisch angelegt; zwar noch im Jazz geerdet, lassen sie aber auch eine Affinität für Minimal Music, für Bärtsch und Rusconi erkennen. In «Drifting» und in «Searching for Soil» schalten sie einen Gang höher, sorgen so für Abwechslung und Dynamik. Sie zeigen sich als die Virtuosen, die sie sind, verfallen aber deswegen auch hier nicht in einen übertriebenen Aktivismus und lassen die CD mit genügend Bodenhaftung ausklingen.

Das Tobias Preisig Quartett spielt unaufgeregte Musik, bei der sich niemand in den Vordergrund drängt, der Solist zugunsten des Kollektivs zurücktritt. Preisig liefert zwar die Kompositionen, aber an den Arrangements feilen alle mit. Sie setzen ihre Akzente behutsam und finden so zu einer leicht melancholischen Musik, bei der traumartige Bilder sichtbar werden, die sich aus dem driftenden Nebel schälen.

Das Tobias Preisig Quartett spielt am Samstag, 
5. April 2014, im Zürcher Moods und tauft die neue CD. Weitere Konzerte: www.tobiaspreisig.com.

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