Nr. 11/2013 vom 14.03.2013

Vom täglichen Zwetschgensortieren

Von Stephan Pörtner

Dass man es auch einfacher haben könnte, liess Gemsmeier nicht als Ausrede gelten. Er bestand darauf, jeden Tag auf höchst ineffiziente und mühselige Weise seine sieben Zwetschgen sowohl zu zählen wie auch der Grösse nach zu sortieren. Wer schon einmal Zwetschgen sortiert hat, weiss, dass diese über keine bestimmbare Grösse verfügen. Nicht nur aus diesem Grund frustrierte Gemsmeier diese Tätigkeit zutiefst und sorgte dafür, dass er den Rest des Tages oft lethargisch am Küchentisch vor sich hin stierte. Weil er sich aber in jungen Jahren im Immobilienhandel eine goldene Nase verdient hatte, fiel die Kritik an seinem Tun leise aus.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Derzeit tourt er lesenderweise mit Beat Schlatter in «Literaturshow und Tanzmusik» durchs Land.

Mittwoch, 27. März 2013, Kleintheater, Luzern
Dienstag, 7. Mai 2013, Tabourettli, Basel
Mittwoch, 8. Mai 2013, Kiff, Aarau