Nr. 14/2013 vom 04.04.2013

Let’s talk about Sexverbot

Sport, Spielerfrauen und Prostitution

Von Etrit Hasler

Obwohl das nicht viel mehr ist als ein Klischee, gibt es immer noch Menschen, die glauben, dass Sport und Sex nicht zusammenpassen – was völliger Quatsch ist. Wie diverse Sportstudien belegt haben, ist Sex sogar zwei Stunden vor einem Wettkampf in keiner Weise leistungsmindernd – man fand in Testgruppen keinerlei Unterschiede bei Herzfrequenz, Sauerstoffverbrauch oder Blutdruck. Ja sogar der Testosteronspiegel sei gleich geblieben, kann man nachlesen. Was wollen uns diese Befunde sagen? Ganz einfach: Die Sportwissenschaft hat echt zu wenig zu tun.

Wenigstens sind die Zeiten vorbei, in denen die ohnehin etwas asexuell wirkenden Fussballgötter während einer WM unter konsequentes Sexverbot gestellt wurden. Dieses Schicksal musste zuletzt (zumindest offiziell) nur gerade die japanische Nationalelf 1998 erleiden – ausgerechnet noch an ihrer Heim-WM, wo es von Groupies nur so gewimmelt hätte. Und was die medialen Skandale betrifft, kann es von Vorteil sein, wenn die Fussballer ihre «Spielerfrauen» dabeihaben, so bleiben uns am Turnier in Brasilien nächstes Jahr wenigstens ein paar Prostitutionsskandale erspart.

Ganz nebenbei: «Spielerfrauen» ist ein grässlicher Begriff. Zugegeben, so aufgemacht, wie die in den Stadien jeweils wie gemeinsam auf eine Hühnerstange gesetzt wirken, mag es in Ordnung sein, sie in ihrer Existenz auf ihre Partner zu reduzieren – schliesslich haben sie da rein dekorativen Wert. Und vielleicht ist es den meisten dieser Frauen ganz recht, dass man über ihr eigenes Leben wenig erfährt, ausser, was sie gerade studieren und ob sie sich schon einmal für den «Playboy» ausgezogen haben. Aber «Spielerfrauen»? Hocken die zu Hause vor dem Bildschirm während der unzähligen Trainingsstunden ihrer Kerle und verzocken deren Millionengehälter beim Onlinepoker? Ja was spielen die denn? Wieso nicht Athletenfrauen? Sportlerfrauen? Ich schweife ab.

Natürlich gibt es Sportarten, bei denen das mit dem Sex etwas schwieriger sein könnte. Wie allgemein bekannt ist, führt Steroidenmissbrauch nicht zuletzt zu Impotenz – somit ist bei Wrestlern und Bodybuildern wohl eher selten was zu holen. Ganz egal ob gerade ein Wettkampf bevorsteht oder nicht. Fahrradprofis dürften es da wieder einfacher haben – bei so viel medizinischer Betreuung wird sich da sicher ein Mittelchen finden, damit die im Sport so gern gesuchte «gesunde Härte» wieder erreicht wird. Man fragt sich allerdings, ob es gerade dieser polytoxische Missbrauch war, der 1997 einen schottischen Mann dazu brachte, sich in einem Hotel mit seinem Fahrrad zu paaren – wobei er von einem Zimmermädchen überrascht wurde.

Dass Sex vor dem Wettkampf positive Seiten haben kann, weiss man im Sumoringen schon seit Jahrhunderten – der Bordellbesuch am Abend vor dem Turnier ist so normal wie das gemeinsame Festessen am Abend nach dem Turnier. Immerhin soll es Glück bringen, einem Sumoringer den Bauch streicheln zu dürfen – wer weiss, vielleicht gilt das ja auch für andere Körperteile. Und während Sie mich jetzt dafür verfluchen, dass Sie dieses Bild während Tagen nicht mehr aus dem Kopf bekommen, weise ich darauf hin, dass die Geschmäcker verschieden sind und Sumoringer in Japan immerhin als Sexsymbole gelten. Oder würden Sie umgekehrt einen Mann verurteilen, der dazu steht, eher mollige Frauen zu bevorzugen?

Verzeihung. Prostitution ist kein lustiges Thema. Aber sie gehört zum Sport – insbesondere bei der Fussball-WM. In Brasilien, so durfte man vor einiger Zeit lesen, bereiten sich Hunderte von Sexarbeiterinnen schon auf den Ansturm an Fussballfans vor, indem sie Englisch lernen – entsprechende Kurse werden sogar gratis angeboten. Das ist dann keine Frage des Glücks mehr, sondern die harte kapitalistische Realität in einem Land, das von Armut und Favelas geprägt ist. Eigentlich ein Wunder, dass sich Sepp Blatter davon noch keine Marge holt.

Etrit Hasler findet Sexkolumnen eigentlich recht doof. Aber eine musste er irgendwann einfach geschrieben haben.

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