Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Vom Ende der neuen Welt

Von Astrid Kaminski

Die Zeiten, in denen es in den USA noch nennenswerte Velohersteller gab, waren für Alan die besseren. Seit die Produktion für den ganzen Kontinent in China respektive Afrika stattfindet, geht es bergab mit dem Protagonisten in Dave Eggers’ «Ein Hologramm für den König», einem einstigen Vertreter der Velofirma Schwinn. Um seine Schulden loszuwerden und wenigstens vor seiner studiengebührenpflichtigen Tochter nicht zu versagen, geht er als Vertreter von Raliant nach Saudi-Arabien. Die Firma bewirbt sich dort darum, eine neu entstehende Wüstenstadt mit IT auszustatten. Eine holografische Internetkonferenz soll den Monarchen, wenn er denn mal in Erscheinung tritt, von Alans Firma überzeugen.

Das Problem: Alan ist schwerfällig und menschelnd – kein Vergleich zur stromlinienförmigen Effizienz und fast extraterrestrischen Akkuratesse chinesischer Konkurrenz. Das Ende der neuen Welt ist also in Sicht, und Alan wird gerade aufgrund seines Scheiterns und seiner emotionalen Einfalt zu einem ihrer letzten Helden.

Saudi-Arabien schildert Dave Eggers so, wie sich das viele in Westeuropa vorstellen: zwischen Wohlstandsverwahrlosung, (religiöser) Wertedekadenz und militantem Machismo. Keine einzige Regel, die hundertprozentig eingehalten wird, dafür aber überall Nachbarinnen, falsche Freunde und die Obrigkeit, die jegliche Abweichung kontrollieren. Erschreckend nah am Klischee bewegt sich Eggers Saudi-Arabien, auch wenn jedes Klischee lust- und kunstvoll durch ein nächstes widerlegt wird.

Ein Schwachpunkt ist das vollkommen unelegante Plusquamperfekt der ersten Seiten, das sich mit dem ebenfalls aus lauter «haben» und «sein» gebildeten Perfekt mischt. Aber das gibt sich. Die nächsten 340 Seiten Shortcuts lesen sich im Rekordtempo.

Dave Eggers hat mit «Ein Hologramm für den König» einen tragfähigen Roman zu einer akuten Thematik geschrieben, den, laut Danksagung, endlos viele Leute gegengelesen haben – und der trotzdem weniger schematisch sein könnte.

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