Nr. 33/2013 vom 15.08.2013

Angelogene Schwangere

Von Sonja Wenger

Als die neunzehnjährige Kate in einer Stadt im US-Bundesstaat Ohio in einem Zentrum für Mütter und Schwangere um Rat in Bezug auf die Pille danach fragte, sagte man ihr, dass diese Pille «dasselbe ist wie eine Abtreibung» und dass sie «schwere Blutungen verursachen und die Gebärmutter schädigen kann». Eine erwiesenermassen falsche Information.

Was die «Beraterin» nicht wusste: Kate heisst eigentlich Katie Stack und war verdeckt unterwegs. Stack arbeitet für Naral Pro-Choice America, eine Vereinigung, die seit 45 Jahren in den USA für das Recht auf freie Entscheidung und einen sicheren Schwangerschaftsabbruch eintritt. Zwischen Juni 2012 und Juni 2013 haben Naral-Leute in den ganzen USA verdeckt sogenannte Crisis Pregnancy Centers (CPC, Krisenzentrum für Schwangere) besucht. Diese werden von christlich-konservativen Gruppierungen betrieben. Den 1800 Abtreibungskliniken im Land stehen rund 2500 CPCs gegenüber.

In einem Bericht fasste Naral kürzlich zusammen, in welchem Ausmass Frauen, die in den CPCs Informationen über Verhütung oder Hilfe für eine Abtreibung suchen, angelogen und eingeschüchtert werden. So geben die Zentren vor, «kostenlose Hilfe» für «Abtreibungen» anzubieten, und befinden sich meist in unmittelbarer Nähe echter Abtreibungskliniken. Abtreibungswillige Schwangere werden fast ausnahmslos angelogen («Eine Abtreibung verursacht Brustkrebs»), bedrängt («Die Seele ihres getöteten Kindes würde Sie verfolgen»)und gedemütigt («Warum haben Sie Sex, wenn Sie nicht verheiratet sind?»). Hinzu kommt, dass das CPC-Personal meist aus Freiwilligen besteht und diese nicht an die ärztliche Schweigepflicht gebunden sind. Betroffene erzählen, wie sie zu Hause oder am Arbeitsplatz von CPC-MitarbeiterInnen telefonisch belästigt wurden.

www.naral.org

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