Nr. 35/2013 vom 29.08.2013

Solikarte: Ein M schlechter

Von Tirza Gautschi

Bis anhin war es ein Kinderspiel, sich beim Einkauf solidarisch zu zeigen: indem man mit der Solikarte Punkte für jene sammelt, die sie mehr brauchen als man selbst. Mit einem Strichcodekleber, der auf jeder beliebigen Karte im Portemonnaie angebracht werden kann, werden in den Migros-Filialen Cumulus-Punkte gesammelt, die auf ein zentrales Konto fliessen. Die Bons, die für die Punkte ausgehändigt werden, gehen anschliessend an regionale Asyl- und Migrationsorganisatio-
nen, die sie an NothilfebezügerInnen verteilen. Diesem Treiben will die Migros nun zum wiederholten Mal ein Ende bereiten.

Bereits kurz nach Lancierung der Solikarte 2009 hatte die Migros etwas gegen die Idee. Zwei Jahre später, drohte die Sperrung der Karte, da sie gegen die Geschäftsbedingungen verstosse. Nur auf Drängen der Bevölkerung und aufgrund eines breiten Medienechos blieb das System bestehen. «Als wir die Zusicherung der Migros bekamen, haben wir uns extrem gefreut», so Mitinitiantin Debora Buess. Mit viel Herzblut und Freiwilligenarbeit hat sich ihr Team um die Ausarbeitung des Projekts gekümmert. Trotzdem will die Migros die Solikarte nun auf März 2014 sperren lassen.

Technische Probleme und Neuerungen seien der Grund für den Entscheid, so die Migros. Buess kann den Umschwung nicht nachvollziehen: «Für uns war das wie ein Schlag ins Gesicht.» Viele Organisationen seien abhängig von den Geldern. Pro Monat werden von mehreren Tausend SpenderInnen um 13 000  Franken gesammelt. Dass die Solikarte ins offizielle Spendenprogramm der Migros aufgenommen wird, ist für Buess keine Alternative. Man habe bewusst keine Adressen gesammelt, denn wer mit der Solikarte spenden will, bleibt anonym. Für die Migros geht so ein grosser Teil der Daten verloren, die die Firma für gezielte Werbung und Lenkung der KundInnen verwendet. Doch Buess gibt sich kämpferisch. «Ich will mir gar keine Gedanken machen, was passiert, wenn die Migros nicht einlenkt. Ich bin überzeugt, dass wir eine Lösung finden.»

Bereits jetzt hagelt es Protestmails, in den sozialen Medien versuchen die Kommunikationsbeauftragten der Migros, gegen die Welle der Entrüstung anzukommen. Die Solidarität geht über die Migros-Kasse hinaus.

Nachtrag zum Artikel «Die Solikarte vor dem Aus?» in WOZ Nr. 15/13.

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