Nr. 13/2014 vom 27.03.2014

Ein Hauch von Dylan

Von Fredi Bosshard

Das Burma Orchestra Saing Waing spielt eine instrumentale Fassung von Bob Dylans Song «I Want You». Das Stück, das später zu einem seiner unzähligen Klassiker werden sollte, hatte Dylan 1966 für «Blonde on Blonde» eingespielt, dem ersten Doppelalbum der Vinylgeschichte. Das Orchester aus dem heutigen Myanmar verwendet für seine Interpretation verschiedene Trommeln, Rasseln und Cymbals, dazu gesellt sich der schneidende Klang einer Flöte, die allerdings wie eine Oboe tönt. Die Noten tanzen fröhlich und verspielt, der Song wird zum unbeschwerten Kinderlied. Eine nicht minder liebliche Version der gleichen Komposition spielt das Trio Mei Li De Dao aus Taiwan. Bei ihnen steht die Zheng im Zentrum, ein traditionelles, mit einer Zither vergleichbares Instrument.

Die CD «From Another World – A Tribute to Bob Dylan» ist auf dem französischen Label Buda Musique erschienen, das in der Vergangenheit mit seiner sorgfältig produzierten Serie mit äthiopischer Musik aufgefallen ist. Der Sampler zeigt, dass die Musik von Dylan auf allen Kontinenten gespielt wird. Die MusikerInnen tun das auf so eigenständige Weise, dass ihre jeweilige Welt hörbar wird und teilweise nur noch ein Hauch von Dylan übrig bleibt.

So verwandelt der iranische Sänger Salar Aghili «Every Grain of Sand» in ein klagendes Lied in der Tradition der Sufis, bei dem Dylan nur noch schwer herauszuhören ist. Yussef Bakash, der inzwischen verstorbene charismatische Sänger der ägyptischen Gruppe The Musicians of the Nile, nahm sich «Tangled Up in Blue» zur Brust. Er lässt das alte Ägypten aufleben, verknüpft ein unnachahmliches «tanglupinblue» mit seinem arabischen Sprechgesang in Dylan-Intonation.

Auch das auf Hindi gesungene Stück «Jokerman» bekommt eine neue Qualität, vermittelt einen Zugang zu indischer Musik, die keine «Weltmusik» sein will. Die Sänger der Gruppe Divana verstehen sich als geschichtenerzählende Barden, die durch die Wüsten Rajasthans ziehen und schon wesentlich länger unterwegs sind als Dylan mit seiner «Never Ending Tour».

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