Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

Von Fredi Bosshard

Festival

Fumetto

Erstmals abgehoben hat das Fumetto 1992 in Luzern mit einem Comicwettbewerb, der vor allem regional Beachtung fand. Über zwei Jahrzehnte später ist das Comix-Festival zu einer wichtigen Plattform für ComiczeichnerInnen aus ganz Europa und Übersee geworden. Der Comic steht nach wie vor im Zentrum des Fumetto, aber die rhizomartigen Verästelungen reichen in die bildende Kunst, in Musik, Grafik, Literatur, Film, Design und Architektur. Parallel dazu haben sich auf der digitalen Ebene neue Horizonte aufgetan. Sound-, Interaction- und Gamedesign sind dazugekommen.

Der belgische Künstler Éric Lamb, eine Pionierfigur der frankobelgischen Szene, stellt sich im Hotel Schweizerhof als Artist in Residence täglich mit neuen Arbeiten der Diskussion. «Genuss und Sucht» steht als Motto über dem diesjährigen Fumetto-Wettbewerb. Die beiden Comicworkshops werden von der finnischen Zeichnerin Mari Ahokoivu und Gabriella Giandelli aus Italien geleitet. Giandelli ist zudem als Stargast eine Retrospektive gewidmet. Ihre entrückte Bildsprache lässt die BetrachterInnen hinter die Fassade der Normalität blicken. Die Arbeiten des in Südafrika geborenen Robin Rhodes entstehen vorwiegend im öffentlichen Raum. Seine künstlerischen Interventionen zwischen Comic und Kunst bringt er dann als fotografierte Dokumente ins Museum. Im Kunstmuseum Luzern geht er einen anderen Weg und zeichnet grossformatig direkt auf die Wände des Museums.

Um die Bandbreite des Festivals und die unterschiedlichen Stilformen aufzunehmen, bieten sich ausgedehnte Stadtwanderungen durch Luzern an. Das Flanieren durch die zahlreichen Ausstellungsräumlichkeiten ist so vergnüglich und inspirierend wie die Zwischenhalte bei den «Satelliten» des Festivals, den Bars, Restaurants, Buchhandlungen und Ladengeschäften. Dort findet man unter anderem Arbeiten von Manuel Stahlberger (vgl. «Du hast den Albumtitel geträumt?», April-Monatsinterview), Pierre Thomé, Nadine Spengler, Martin Gössi und das «Tschuttiheftli-Sammelalbum» zur WM in Brasilien.

Internationales Comix-Festival Fumetto in: 
Luzern Kornschütte am Rathausplatz (Festivalzentrum), Kunstmuseum, Bourbaki/Stattkino, Südpol, Hochschule Luzern und 
weitere Orte. www.fumetto.ch

Ausstellung

Fotos aus Schanghai

Xu Xixian arbeitete bis vor fünf Jahren als Reisverkäufer in Schanghai. Der 1942 geborene Xu begann schon in den sechziger Jahren, zur Zeit der Kulturrevolution, in der Stadt und in den umliegenden Dörfern zu fotografieren. Er ist seiner einfachen analogen Kamera und der Schwarzweissfotografie bis 2009 treu geblieben. Sein Archiv wuchs in den rund fünfzig Jahren auf über 40 000 Aufnahmen an. Diese stellen eine einzigartige Dokumentation zur Stadtentwicklung Schanghais dar, die sich stark von der offiziellen Sichtweise unterscheidet, die meistens die «James-Bond-Kulisse» ins Zentrum rückt. Xus Aufnahmen zeigen den Blick eines subtilen Beobachters, der wie ein Seismograf die feinsten Veränderungen im städtischen Gefüge und unter dessen BewohnerInnen wahrnimmt.

Im Rahmen der Ausstellung «Die Reisen des Herrn Xu» sind in Kriens gegen 200 Fotografien von Xu zu sehen. Sie werden ergänzt durch die Videoinstallation «Some Streets in Shanghai» des Künstlers Jürgen Krusche. Der in Zürich lebende Yun Long Song zeigt seinen Dokumentarfilm über Xu Xixian.

«Die Reisen des Herrn Xu» in: Kriens Museum Bellpark, Sa, 5. April 2014, 17 Uhr, Eröffnung. Mi–Sa, 14–17 Uhr. So, 11–17 Uhr. Bis 6. Juli 2014. 
www.bellpark.ch

Konzert

Gezupft und gestrichen

Die Zürcher Violaspielerin Charlotte Hug hat sich vor allem mit ihren musikalisch-visuellen Soloperformances einen Namen geschaffen. Sie ist als Improvisatorin und Komponistin unterwegs, erweitert dabei die Grenzen ihres Instruments auch mit ihrer Stimme. Mit dem in Mailand lebenden Violinisten Stefano Pastor hat sie einen ähnlich abenteuerlustigen Duopartner gefunden. Ihre erste gemeinsame CD «Paragone d’Archi» ist vor kurzem erschienen und führt die Gegenüberstellung und den Bogen, der über die Saiten streicht, schon im Titel. «Archi» kann aber auch im architektonischen, raumbildenden Sinn verstanden werden. Doch es ist die Gegenüberstellung des Klangs von Viola und Violine, aber auch die von Jazz und neuer Klassik, aus der das Neue entsteht.

Stefano Pastor sammelte Erfahrungen in klassischen Orchestern und bei Theaterproduktionen. Ausflüge in die Popmusik brachten ihn an die Seite von Paolo Conte. Die intensivierte Auseinandersetzung mit dem Jazz suchte er zusammen mit Harris Eisenstadt, Borah Bergman und anderen. Eine ähnliche Bandbreite findet sich auch bei Charlotte Hug. Mit «Paragone d’Archi» haben Pastor und Hug ein intimes Zwiegespräch begonnen, das auf subtile Weise eingespielte musikalische Dimensionen hinter sich lässt.

Charlotte Hug und Stefano Pastor «Paragone d’Archi» in: Zürich Kunstraum Walcheturm, 
So, 6. April 2014, 20.30 Uhr, CD-Taufe.

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