Nr. 16/2014 vom 17.04.2014

Ploogs zweiter Streich

Von Florian Vetsch

Wenn einer, der bereits ein wegweisendes Buch über William S. Burroughs veröffentlicht hat, sich erneut zu diesem Autor äussert, dann will das schon etwas heissen. Die Rede ist vom Schriftsteller und Expiloten Jürgen Ploog (siehe WOZ Nr. 7/2014). Er hat 1983 in Matthyas Jennys Lichtspuren-Verlag «Strassen des Zufalls» herausgebracht. Das Buch gilt als Meilenstein der kontinentalen Burroughs-Rezeption.

Nun liegen im Luzerner Verlag Der Kollaboratör unter dem Titel «Word is Virus» neue Burroughs-Essays von Jürgen Ploog vor. Sie können als zweiter Band der «Strassen des Zufalls» gelesen oder aber auch einfach für sich genommen werden. Mit «Word is Virus» ist ein starker Band vom Grandseigneur des deutschen Underground herausgekommen. Coole Texte, tiefsinnige, ungeschminkte, toughe. Auch in Bezug auf Ploogs eigene Beziehung zu William S. Burroughs: «Trotz meiner vielen Begegnungen mit ihm blieb er ein unzugänglicher Mann. Er selbst hat sich mehr als Insekt denn als Säugetier gesehen. Für ihn gab es keine Freunde, nur Komplizen. Es gab Momente von Akzeptanz, sogar von Vertrautheit, wenn er mir etwa beim Abschied im Bunker in der Bowery in New York einen guten Flug wünschte. Auch Fürsorge, wenn er mir während eines Blackouts in der City dringend davon abriet, das Hotel zu verlassen.»

Solche träfen Bemerkungen zieren neben paraliterarischen Ausschweifungen Ploogs Essays, die dennoch nie den Fokus verlieren: die Erhellung von Burroughs’ eigentümlicher Wortalchemie. Dabei findet Ploog zu selten klaren Formulierungen: Es geht um eine «Literatur, die nicht zum Rastplatz auf der Autobahn der Wahrnehmungen verkümmern will». Ploogs Essays machen Lust, Burroughs’ Bücher neu oder überhaupt erst aufzuschlagen. Und sie machen Lust, mehr von Ploog zu lesen.

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