Nr. 20/2014 vom 15.05.2014

Selbst der Gripen hilft im Ernstfall nicht

Von Roman Schürmann

Die Schweiz soll 22 Gripen kaufen. Wofür? Das kann niemand so genau sagen. Gegen Terrorismus? Die USA besassen im September 2001 fast 2500 gut gerüstete Kampfjets. Wef, internationale Konferenzen? Geht, falls wirklich nötig, mit den F/A-18 oder internationaler Hilfe. Luftpolizeidienst? Wie der Name sagt, eine zivile Aufgabe, die auch mit zivilen Mitteln bewältigt werden kann. Landesverteidigung? Gegen wen? Wenn Europa einst zerfallen sollte, hätte auch die Schweiz ganz andere Probleme, als feindliche Armeen zu bekämpfen. Und wäre es in der Krim wirklich anders gelaufen, wenn die Ukraine 22 Gripen gehabt hätte?

Dass unsere Armee mit oder ohne Gripen weit davon entfernt ist, im sogenannten Ernstfall bestehen zu können, daran zweifelt noch nicht einmal die «Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift». In der Nummer 4/2013 berichtet sie unter dem Titel «Die Generation Smartphone führt»:

«Früher wurde geplant und befohlen. Die Tagesbefehle waren heilig. Heute kann man innert Kürze Anpassungen vornehmen. Wenn der Kommandant beispielsweise einen Rapport verschieben will, so muss er nur den Kommandoposten befehlen, die entsprechenden Kader per Natel zu informieren. Des Weiteren gibt es häufig Sachen, die gar nicht mehr richtig geplant werden. (…) Handeln im Sinne des Chefs wird obsolet, man kann ihn ja einfach anrufen! (…) Ist das eine gute Entwicklung? Ist eine solche Führung im Ernstfall auch denkbar? (…) Die Smartphones bieten eine wichtige nachrichtendienstliche Quelle. Wenn eines in die Hände der Gegenseite gerät, kann diese daraus wichtige Daten wie Kontaktadressen, Mitteilungen, Standortmeldungen usw. entnehmen. Das Mobiltelefonnetz ist einfacher abzuhören als der digitale Funk. Die Gegenseite kann sich also informieren, was wir befehlen. Des Weiteren wird es im Ernstfall, wo man davon ausgehen muss, dass das Mobilnetz entweder überlastet oder stillgelegt wird, schwierig bis undenkbar, innert kurzer Zeit einen erzwungenen Doktrinwechsel in der Führung erfolgreich durchzusetzen.»

Am Boden herrscht also ein heilloses Durcheinander. Hauptsache, am Himmel kreisen die Gripen.

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