Nr. 26/2014 vom 26.06.2014

Der Sprengstoff der Gesellschaft

Von Maja Wicki

Während einer Segeltour von Europa in die Karibik erlebt der Skipper Jonathan Baker, wie sein Crewmitglied Ben Schwarz auf offenem Meer spurlos verschwindet. Jonathan macht sich auf die Suche nach seinem verschollenen Freund und wird dabei von einem Netzwerk von Frauen unterstützt. Auf ihren Recherchen gelangen sie in die digitale Welt und stossen auf einen Bericht von Ben, in dem dieser sein Untertauchen in eine neue Identität schildert.

Der Autor Thomas Rüst, geboren 1952, hat nach dem Jurastudium als Journalist in der Schweiz, in Deutschland und in den USA gearbeitet und als Segler mit seiner Frau den Atlantik überquert. «Bens Fukushima», sein erster Roman, ist eine politische Zeitanalyse und ein grossartiger Krimi, der mitten in die Realität der atomaren Katastrophe von Fukushima 2011 führt. Im Roman hat sich als Reaktion auf das Unglück ein geheimer Widerstand mit weltweitem Auftrag entwickelt. In diesem Geheimbund findet Ben, wonach er sucht. Seine Mission: Er will «all jenen Institutionen und Geheimnisträgern Daten entreissen, die Daten horten». Denn Daten, sagt Ben, seien der Sprengstoff der Gesellschaft.

Unter neuem Namen verschafft er sich einen Job bei der in Frankfurt stationierten Gesellschaft zur Koordination von Studien zur Sicherheit nuklearer Anlagen. Hier gelingt es Ben trotz konstanter Überwachung, Daten zu entwenden und diese weiterzuleiten. In den Medien erscheinen plötzlich alarmierende Informationen über Atomkraftwerke. Die Enthüllungen schüren bei seinen Chefs ein wachsendes Misstrauen, doch Ben wagt einen Zugriff auf höchster Ebene. Die Sequenzen im Buch werden knapper und drängender: Verfolgung und ein knappes Überleben dank der im Untergrund wirkenden Freundschaft. Rahmengeschichte und Kerngeschichte, Jonathans Spurensuche und Bens Aktionen, fliessen ineinander. Die Spannung löst sich erst auf der letzten Seite.

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