Nr. 28/2014 vom 10.07.2014

Was treiben die ProfessorInnen?

Von Marcel Hänggi

Es bewegt sich etwas in der Schweizer Hochschulpolitik. Lange war es einfach nur erwünscht, dass sich die Hochschulen stärker um Kontakte mit der Privatwirtschaft bemühen: Das entlastet den Staatssäckel und bringt wertvolle Kontakte. Dass auch Risiken damit verbunden sind, hat die Politik lange Zeit ausgeblendet.

Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, will sich die Finanzdelegation des National- und Ständerats (FinDel) schlaumachen, mit welchen Richtlinien die Universitäten und die beiden ETHs regeln, wieweit sich ihre ProfessorInnen in Nebenbeschäftigungen engagieren dürfen. Üblich ist – so viel ist bekannt –, dass HochschulprofessorInnen einen Teil ihrer Arbeitszeit auf Nebentätigkeiten verwenden, beispielsweise auf Führungsaufgaben in Unternehmen.

2009 hatte bereits die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) bei den Universitätsleitungen nachgefragt. Doch diese waren teilweise nicht willens oder nicht fähig, genauere Informationen zu liefern. Die Empfehlungen der EFK wurden von den zuständigen Gremien mehrheitlich freundlich abgelehnt.

Nun will die FinDel «einfach mal wissen, was für Regelungen überhaupt existieren, damit wir wissen, worüber wir genau diskutieren müssen», sagt FinDel-Präsident und Ständerat Hans Altherr (FDP) gegenüber der WOZ. In eine ähnliche Richtung zielen eine Motion der grünen Nationalrätin Maya Graf, die eine aktive Offenlegung der Nebenbeschäftigungen der ETH-ProfessorInnen anstrebt, sowie ein Postulat ihrer Parteigenossin Aline Trede, die verlangt, dass ETH, Universitäten und Fachhochschulen aktiv über Drittmittelverträge informieren. Die beiden Vorstösse im Nationalrat und das Vorhaben der FinDel sind voneinander unabhängig, aber ihre Gleichzeitigkeit zeigt: Es entsteht langsam ein Bedürfnis, wenigstens mal hinzuschauen.

Die Fachhochschulen hat die FinDel dabei nicht im Blick. Altherr selber präsidiert den Hochschulrat der Fachhochschule St. Gallen. Wie regelt sie die Nebenbeschäftigungen ihrer ProfessorInnen? «Da bin ich überfragt», sagt Altherr.

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