Nr. 32/2014 vom 07.08.2014

Soziale Arbeit in den Facebook-Gruppen!

Von Dinu GautierMail an AutorIn

Rufe nach den Massenmördern Anders Breivik und Friedrich Leibacher, Hinweise auf freie Plätze in Auschwitz oder im «Gulak», Erschiessungs-, Erhängungs- und Vergiftungsrhetorik: Zwei Dutzend Tötungsfantasien wurden letzte Woche in wenigen Stunden an die Juso-Spitze gerichtet – und das ist nur die Bilanz einer einzigen Facebook-Gruppe. Der Anlass? Juso-Präsident Fabian Molina hatte dazu aufgerufen, am 1. August Peace- statt Schweizer Fahnen zu hissen.

Für Aufsehen sorgen auch antisemitische Ausfälle im Kontext des Gazakriegs. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund zeigte fünfzehn Personen – offenbar jugendliche Secondos – wegen Verstoss gegen die Antirassismusstrafnorm auf Facebook an.

Tobt der Onlinemob, kommt es nicht nur zu Ausrufezeichenexzessen. Das wissen alle, die sich ab und zu die LeserInnenkommentare der Onlinezeitungen antun. Immerhin werden dort die schlimmsten Kommentare gar nicht erst publiziert, und manchmal meldet sich sogar eine mässigende Stimme zu Wort. Anders in zahlreichen Facebook-Gruppen, die beängstigende Reichweiten haben (die eingangs zitierte Seite etwa gefällt über 6000 Personen): Moderation gibt es in diesen Gruppen kaum, die NutzerInnen schaukeln sich unwidersprochen gegenseitig hoch. Zu beobachten, wie sich so über die Jahre faschistische Weltbilder immer ungeschminkter manifestieren, ist eindrücklich.

Martine Brunschwig Graf, FDP-Nationalrätin und Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, spricht gegenüber der «SonntagsZeitung» zu Recht von einer Gefahr für die Gesellschaft, die «im schlimmsten Fall zu Gewalt führen» könne. Als Gegenmassnahme solle der Bund mit Facebook «das Gespräch suchen».

Das ist gleich doppelt naiv: Erstens wird das Facebook nicht kümmern, zweitens vermag zeitversetzte Zensur von Beiträgen und die Schliessung von Gruppen das Problem höchstens zu verschieben. Was allenfalls helfen könnte? In den Gruppen präsente SozialarbeiterInnen, die den Gottesdienst des Hasses ruhig und sachlich mit Nachfragen und Fakten stören. Mithilfe einer Stiftung, die ein paar Teilzeitstellen finanziert, könnte es morgen schon losgehen.

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