Nr. 32/2014 vom 07.08.2014

Das Murmeli schlägt zurück

Besorgniserregende Vorkommnisse!

Von Susi Stühlinger

Sommerferienbedingt konnte das Wichtig-zu-wissen-Team in den letzten Wochen an dieser Stelle nicht über die wichtigsten Ereignisse berichten. Deshalb folgt nun hier ein Überblick über die bemerkenswertesten Geschehnisse, die, übers Ganze betrachtet, durchaus Anlass zur Besorgnis geben.

Die Bundesstadt ist in Aufruhr: Im Berner Wylergut wurde ein Exemplar des Marmota marmota gesichtet, im Volksmund häufig verniedlichend als «Murmeli» bezeichnet. Doch die Invasion des Nagers ist alles andere als niedlich. Das Murmeli ist aus seinem Habitat den weiten Weg in die Bundesstadt gekommen, um seinen Tribut einzufordern, von all den von ihm besessenen, ja ihm vollkommen hörigen Werbeagenturen, Imagekampagnenplanern und Swissnessaposteln. Von McDonald’s, Migros Bio, Calanda Bräu und wie sie alle hiessen. Das Murmeli zog gen Bern, um seinen rechtmässigen Platz als absolutistischer Herrscher der Schweiz einzunehmen. Als politischer Berater hinsichtlich des weiteren Vorgehens soll ihm nun angeblich Swissnessexperte Thomas Minder zur Seite stehen.

Auch in Zürich tat sich einiges. Es sieht ganz so aus, als ob sich die schiefe Föhre auf der lauschigen Grünfläche zwischen Bahnhofstrasse und Globus die Braunfleckenkrankheit eingefangen hat. Dabei handelt es sich um einen gefährlichen Quarantäneorganismus namens Lecanosticta acicola, einen Nadelpilz. Bereits ist in Insiderkreisen von einem neuen «Needle Park» auf der Pestalozziwiese die Rede. Gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zufolge will die Föhre schon bald in selbstmordattentäterischer Manier mit infizierten Koniferennadeln das Getriebe des zwinglistädtischen Finanzkapitalismus knirschend zum Erliegen bringen.

In Bellinzona wiederum entging die sozialdemokratische Gemeinderätin Rosalia Sansossio-Cippà nur knapp einer schlimmen Blutvergiftung, nachdem eine bislang anonyme Katze ihr äusserst schmerzhafte Bisswunden am linken Arm zugefügt hatte, den die Ärzte im allerletzten Moment gerade noch vor der vollständigen Amputation bewahren konnten. Politologen gehen von einem gezielten Attentat des Tiers aus, das mutmasslich aus den Reihen der Lega dei Ticinesi stammt und die Entvölkerung des Tessins bezweckt.

Schliesslich ist über das thurgauische Ermatingen ein sprichwörtlicher Shitstorm hereingebrochen. Eine Armada von über fünfzig Schwänen verkotet Uferpromenaden und Badeplätze. Um den ehemaligen Kantonsarzt Max Dössegger hat sich eine Bürgerwehr gegen die Schwanenplage formiert, die das besetzte Territorium allerdings bis jetzt noch nicht hat zurückgewinnen können: «Die Schwäne lassen sich nicht vertreiben, stehen herum, putzen sich. Verscheuchen kann man sie nur mit Wasser. Sie verziehen sich, sobald man sie mit Wasser bespritzt. Allerdings kommen sie gleich wieder zurück», lässt die Organisation verlauten.

All diese Ereignisse scheinen in einem noch nicht restlos erfassbaren Zusammenhang zu stehen: Es ist davon auszugehen, dass es sich um ein gross angelegtes Renaturierungsprojekt vonseiten der Natur handelt, ähnlich, wie es der Autor Frank Schätzing in seinem von der Fachwelt viel beachteten Sachbuch «Der Schwarm» prophezeit hatte – nur dass die Bedrohung für die gesamte Menschheit nicht von den Weltmeeren, sondern von der trauten Beschaulichkeit eines kleinen Binnenlandes ausgeht.

Wie wird die Politik auf dieses Szenario reagieren? Gibt es einen Notfallplan? Oder werden die Warnsignale einmal mehr ignoriert? Das Murmeli jedenfalls soll zur Verteidigung gerüstet sein. Derzeit gräbt es offenbar ein Réduit aus verschlungenen Gängen unter der Berner Altstadt und dringt sukzessive zu den geheimen Goldreserven unter dem Bundesplatz vor.

Susi Stühlinger dankt www.bernerzeitung.ch und www.blick.ch für die Dokumentation der Ereignisse.

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