Nr. 35/2014 vom 28.08.2014

Professor auf den Wolken

Der Erfinder der Antivölkerrechtsinitiative.

Von Susi Stühlinger

Das Selfie des nackten Grauens, versandt aus dem Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich, hatte die beabsichtigte Wirkung in den Reihen von Freund und Feind nicht verfehlt. Professor Hans-Ueli Zwackelmann rieb sich die Hände. Endlich würde er die armen Erstsemestrigen in seiner Vorlesung «Einführung in die Rechtswissenschaft» nicht mehr mit Fragen wie «Nennen Sie die Quellen des internationalen Völkerrechts» quälen müssen. Endlich würde er den ambitionierten Jungspunden mehr süffige Anekdoten aus seiner Paradedisziplin Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht zum Besten geben dürfen.

Und endlich würde er sich der ungeteilten Zuneigung des grossen Hexenfürsten von Herrliberg sicher sein. Beschwingt sang er einige Takte aus seinem Lieblingslied von Schlagerstar Jürgen Marcus: «Ich geh wie auf Wolken, und ich bin riesengross. / Ooh, aah / Denn Du bist bei mir, ich lass Dich nie wieder los. / Ooh, aah / Wir grüssen die Menschen, und sie winken zurück. / Ooh, aah / Kein Wunder, wir sind ja auf der Strasse ins Glück …» Nein, er, Hans-Ueli Zwackelmann, würde dem Leibhaftigen nicht mehr von der Seite weichen.

Die Tage seines Vorgängers Mörgeli von Mordor waren gezählt. Und das würde so bleiben, dank seiner informellen Rechtsberatung, die dazu geführt hatte, dass von Mordor nun wegen Fristverpassung mit seiner Klage gegen die «Rundschau» bei der Zürcher Staatsanwaltschaft abgeblitzt war. Er, Professor Hans-Ueli Zwackelmann, war der neue Mastermind im Märchenland.

Auch die Nein-Parole der SVP-Delegierten zur Ecopop-Initiative hatte er geschickt eingefädelt. Einmal mit den Fingern schnackeln hatte genügt, und der Antiausländerreflex seiner Kollegen war einem feinen Gespür für politisches Kalkül gewichen: Denn nur wenn die Konkurrenz, die seine Partei rechts zu überholen drohte, ausgeschaltet würde, erzielten die Ideen der SVP – also seine Ideen – die maximale Wirkung.

Nun gut, vielleicht hatte es auch ein wenig geholfen, dass am Tag der Entscheidung bei den Kollegen aus dem Welschland durchgesickert war, dass die Zuwanderung laut Ecopop-Initiative auf 17 000 statt – wie in der französischen Übersetzung der Bundeskanzlei – auf nur 35 Personen pro Jahr beschränkt werden würde. Und so etwas war den welschen Kollegen definitiv zu wenig radikal.

Apropos welsche Kollegen: Die erinnerten den Professor daran, dass er versprochen hatte, Kollege Jean-Luc Addor vor Gericht gegen den Islamischen Zentralrat zu verteidigen, weil Letzterer Addors Tweet über die Vorteile von Ehrenmorden in Moscheen offenbar nicht so lustig gefunden hatte, wie er gemeint war. Aber das würde ein Kinderspiel. Einmal schnackeln, und gut wäre. Irgendwie war Zwackelmann heute ganz irre zum Singen zumute. Er hob in seinem sonoren Bariton an und schmetterte: «Prof. Hans-Ueli Zwackelmann / zaubert, was er zaubern kann. / Er schnackelt, zaubert dies und das, / das Zauberschnackeln macht ihm Spass, / wenn Zwackelmann mal schnackelt, / da zwickt sichs und da zwackelts.» Und er zog federnden Schrittes von dannen.

Jusstudentin Susi Stühlinger hatte schon das Vergnügen mit Professor Zwackelmann – in der ersten Reihe.

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