Nr. 15/2014 vom 10.04.2014

Strafsteuer auf Kondome

Susi Stühlinger über die bundesrätliche Verordnung zum Raumplanungsgesetz

Von Susi Stühlinger

Wieder einmal machte sich der Dichtestress bemerkbar. Dieses Mal hatte es das SBB-Schienennetz getroffen, das in Herzogenbuchsee, Kanton Bern, einer Einwanderung von sechs Rindern nicht gewachsen war, sodass ein Cisalpino mehrere Stunden an der Weiterfahrt gehindert wurde. Es war offensichtlich: Der Platz in der Schweiz war knapp, zu knapp.

Prof. Dr. Hans Popp, Ingenieur-Agronom und Patron im Patronatskomitee der Ecopop-Initiative, ächzte und stellte die Gartenharke beiseite, mit der er zuvor mühselig sein Anwesen von der Unkrautinvasion zu befreien gesucht hatte. Wie das Unkraut im Garten vermehrte sich der Ausländer in diesem schönen Land, und die Ecopop-Initiative war gleichsam die Harke in seiner Hand, mit der dieser Missstand endlich bald beseitigt werden könnte. Einzig etwas verwirrt hatte Herrn Popp neulich die Aussage des Bundesrats. Tatsächlich sollte es in der Schweiz doch mehr Platz geben als bis anhin vermutet! Laut der neuen Verordnung zum Raumplanungsgesetz sollten nämlich bis ins Jahr 2050 elf Millionen Menschen in der Schweiz Platz finden, also zwei Millionen mehr, als man damals noch gemeint hatte, als es um die Frage ging, wie die Energiewende am besten vollzogen werden könnte.

Das hatte ihn, den Naturwissenschaftler, nachhaltig irritiert. Er war ja schon alt und gewiss etwas senil, aber wenn er dann rechnete: 0,2 Prozent von etwas mehr als acht Millionen, bis 2050 also mal 36, exponentiell – aber das würde ja heissen, dass es mit der Umsetzung der Ecopop-Initiative gemäss Bundesrat 2050 über zwei Millionen Menschen zu wenig gäbe! Das ergäbe erfreulich grosse Bauzonenreserven für alle Schweizer, wobei nebst dem neuen Einfamilienhaus auch noch gut Umschwung mit drin wäre.

Andersherum, wenn der Bundesrat sagte, dass da elf Millionen ständige Wohnbevölkerung wären und diese nicht durch die Zuwanderung generiert würden – das hiesse ja, dass der Bundesrat wüsste, dass die Schweizerinnen, hm, jährlich, äh, na ja jedenfalls eine nicht zu vernachlässigende Anzahl Kinder mehr gebären müssten als heute. Das wäre wohl nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Da müsste man wohl, analog zu den zehn Prozent des Budgets, die die Entwicklungshilfe laut Ecopop-Initiative für Verhütungsmittel und Familienplanung in Afrika verwenden sollte, einen Budgetposten für Massnahmen in der Schweiz einsetzen, um die Vermehrung des Schweizervolks gezielt zu fördern – vielleicht finanzierbar durch eine erhöhte steuerliche Belastung von Verhütungsmitteln, die den Anreiz schaffte, ebensolche nicht zu gebrauchen.

Jedenfalls – Herr Popp mit seiner Gartenharke war nachhaltig verwirrt, und «Wetten, dass ...?» war auch noch eingestellt worden, und sowieso war alles recht schlimm: Linksextremistin Andrea Stauffacher auf freiem Fuss, Schweizer Dschihadisten in Syrien, und der Dorfarzt in Dulliken liess sich das Geschrei von fünfzehn nachbarschaftlichen Papageien nicht mehr bieten. Viele Probleme, fand Professor Popp – da musste eine solide Lösung in Form einer neuen Volksinitiative her.

Susi Stühlinger ist bemüht, sich zwecks Landverschleiss einen grossen Bierbauch anzutrinken.

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