Nr. 36/2014 vom 04.09.2014

Rapper Kool Savas: Kein Pantoffelheld

Von WOZ-Redaktion

Die WOZ erreichte in dieser Woche ein Schreiben der bekannten Kölner Anwaltskanzlei Höcker Marken & Medienrecht. Ralf Höcker war der Medienanwalt von Jörg Kachelmann, und im Auftrag einer Grossbäckerei klagte die Kanzlei gegen den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff, nachdem dieser 2009 im «Zeit-Magazin» die beim damaligen Lidl-Zulieferer herrschenden unmenschlichen Arbeitsbedingungen beschrieben hatte.

Im Schreiben an die WOZ vertritt die Kanzlei die Interessen des Berliner Gangstarappers Kool Savas und bezieht sich auf den Artikel «Guck mal, der aus dem neuen Bushido-Video» – ein Porträt des früheren Berliner Rap-Paten und heutigen linken Politaktivisten Marcus Staiger (siehe WOZ Nr. 34/14). Staiger hatte Kool Savas im Text eine homophobe Geisteshaltung, Highlander-Romantik und völkischen Heroismus vorgeworfen. Das allerdings war nicht Gegenstand der Beschwerde von Kool Savas: «Unserem Mandanten wird unterstellt, (…) ein ‹Pantoffelheld› zu sein», schreibt die Kanzlei.

Der Begriff «Pantoffelheld» findet sich allerdings nicht im besagten WOZ-Text. Er ist eine Kreation von Höcker Marken & Medienrecht. Weil es sich aber tatsächlich nicht zweifelsfrei belegen lässt, dass es sich beim Berliner Gangstarapper in Wirklichkeit um einen, wie seine Anwälte es interpretieren, «Pantoffelhelden» handelt, ist die WOZ bereit, die entsprechenden zwei Sätze in der Onlineversion zu schwärzen. Tatsächlich steht bei einer dort beschriebenen Szene das Wort Marcus Staigers gegen jenes von Kool Savas. Allerdings wird die WOZ weder die per Fax eingetroffene «Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung» unterzeichnen noch die Rechtsanwaltskosten von 1242,76 Euro übernehmen, die ihr das Büro Höcker übertragen will.

Während Kool Savas im Hintergrund seine Anwälte losschickte, hatte er sich vordergründig zuerst witzig zur Sache geäussert: «Kein Ding, Mel-Beatz regelt das», twitterte er. Diese war es gewesen, die von Marcus Staiger in der ersten Hälfte des umstrittenen Abschnitts als Antipantoffelheldin dargestellt worden war: «Kool Savas war nie ein Gangster. Melbeatz, die Exfreundin von Savas, die war Gangster. Die hatte eine echte Gangvergangenheit, vor der hatten alle richtig krass Respekt. Als ich mal bei ihr und Savas zu Hause rumhing, kommt sie rein …»

Der Rest ist jetzt geschwärzt.

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