Nr. 46/2014 vom 13.11.2014

Manipulierte Forschung?

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Gentechkritischen ForscherInnen weht normalerweise ein rauer Wind entgegen – mitunter beugen sich gar Fachzeitschriften dem Druck der Gentechlobby rund um Agrokonzerne wie Monsanto und ziehen Risikostudien wieder zurück (siehe WOZ Nr. 26/2014). Jetzt dreht der Verein Testbiotech aus Deutschland den Spiess um: Die Gruppe kritischer ExpertInnen hat eine unabhängige Auswertung einer Fütterungsstudie mit dem Monsanto-Mais MON 810 vorgenommen und fordert nun, die Studie sei zurückzuziehen.

Anders als die unter der Leitung von Pablo Steinberg im Rahmen des EU-Forschungsprojekts Grace entstandene Fütterungsstudie kommt Testbiotech aufgrund der Daten nämlich zum Schluss, dass die mit MON-810-Mais gefütterten Ratten sehr wohl Hinweise auf Schäden an Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse zeigten. Die Grace-Studie wird mit über sechs Millionen Euro an öffentlichen Geldern finanziert und soll bis 2015 ein unabhängiges Risikoassessment von gentechnisch veränderten Pflanzen liefern.

«Risikoforschung an der Leine der Gentechnik-Industrie» sei das, kritisierte Testbiotech bereits kurz nach dem Start des Projekts: Rund die Hälfte der beteiligten ForscherInnen gehören Organisationen an, die sich ganz oder teilweise von der Gentechindustrie finanzieren lassen.

Das weist der Verein Testbiotech im aktuellen Fall auch dem Leiter der Fütterungsstudie nach. Pablo Steinberg ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift «Archives of Toxicology», in der die Studie im Oktober veröffentlicht worden ist. Und diese Fachzeitschrift selbst arbeitet seit Jahren eng mit der Industrie zusammen. Unter anderem liessen die «Archives of Toxicology» wiederholt Studien, die sich mit gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens beschäftigen, vor der Veröffentlichung von ExpertInnen der Tabakindustrie begutachten. «Wir fordern, dass in der Risikoforschung, die mit öffentlichen Geldern durchgeführt wird, höchste Standards an die Wissenschaftlichkeit und an die Vermeidung von Interessenkonflikten angelegt werden», sagt Christoph Then von Testbiotech, «das ist hier eindeutig nicht der Fall.»

Die Auswertung der Grace-Publikation ist auf www.testbiotech.org abrufbar.

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