Nr. 48/2014 vom 27.11.2014

Reinigung nach Kantengolds Methode

Von Stephan Pörtner

Der Niedergang des Farbenladens Frohgemuth wirkte sich auch auf die chemische Reinigung aus, die seit Menschengedenken – wer kann sich denn schon weiter als 1974 zurückerinnern? – im Nebengebäude untergebracht war. Geschäftsinhaberin Kantengold hatte seinerzeit richtig bemerkt, dass Handwerksgeschick und Sorgfalt massiv zurückgingen, sodass alle, die den Farbenladen betraten, wenig später mit bekleckerter Kleidung belastet waren, die in der Waschküche verheerende Schäden und Unfrieden bis in den dritten Stock auszulösen pflegte. Dagegen half nur eine Reinigung nach Kantengolds Spezialmethode, bei der die Flecken zwar nicht restlos herausgingen, dafür um ein paar faustgrosse Löcher ergänzt wurden, sodass die Kleider fortan im Schrank blieben.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. «Mordgarten» ist auch unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch