Nr. 50/2014 vom 11.12.2014

Notizen zur Fitness

Von Florian Vetsch

Mit dem Bändchen «Von Viktor zu Hartmann» ist dem seit vielen Jahren in Wien lebenden Schweizer Autor Andreas Niedermann (geboren 1956) ein kleines athletisches Meisterstück gelungen: eine Sportfibel, der weder Poesie noch Tiefsinn abgeht. «Wege – Hanteln – Worte» heisst das Taschenbuch im Untertitel, und die Idee dazu, so Niedermann, sei aus einer «postromanischen» Leere heraus entstanden, aus der «Niedergeschlagenheit nach der Beendigung eines Romans». (Es muss sich dabei um seinen heftigen, in den Unruhen der achtziger Jahre angesiedelten Roman «Goldene Tage» von 2012 handeln.)

Den Titel verdankt die Sammlung dem zehnminütigen Weg, den der Exilschweizer täglich zurücklegt, wenn er sich von seinem Zuhause an der Viktorgasse 12a zum Fit-Inn an der Hartmanngasse aufmacht: «Die tagebuchartigen Texte sind alle nach dem Stemmen von Gewichten entstanden oder auf dem Weg nach Hause entworfen, während mir noch – nachschwitzend – der Schweiss von der Stirn tropfte.» Immer, wenn Niedermann den Schlosspark Schönburg passiert, spiegeln seine Texte die Jahreszeiten, und wenn sich der über Fünfzigjährige mit der «Traurigkeit des Körpers» (Durs Grünbein) und der Vergeblichkeit des Seins befasst oder Zwiesprache mit Epikur oder den Existenzialisten hält, hören wir jemandem beim Denken zu, der jenseits von allem «Sartre-Tran» (Bukowski) wirklich etwas zu sagen hat. Diese Texte haben eine Aufrichtigkeit, die ansteckt und Mut macht.

Wer ab und an daran denkt, wieder einmal ins Fitnessstudio zu spazieren, um der auch geistig effizienten Selbstoptimierung des eigenen Leibs zu frönen, darf ruhig zu Niedermanns Notizen greifen. Sie sind ein echter Mutmacher. Trainieren Sie bereits regelmässig, verfehlt das Meisterstück seine Wirkung ebenso wenig und unterstützt Ihr höheres Selbst. Auch wer die Lust auf Fitness bei Bekannten fördern will, hat hier ein motivierende Geschenk.

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