WOZunterwegs 2015 : Marseille, Baskenland, Norditalien

Nr.  5 –

Auch dieses Jahr laden wir Sie wieder ein – zu Reisen in die Vergangenheit und die Gegenwart, zu Stadtrundgängen, zu Gesprächen mit engagierten Menschen und zu Wanderungen.

Marseiller Hauswände: Bilder einer kosmopolitischen Stadt.

Das widerspenstige Marseille: Migration, Exil, Gegenwehr

30. Mai bis 6. Juni 2015

In keiner anderen Grossstadt Frankreichs treffen die gesellschaftlichen und politischen Widersprüche so sehr aufeinander wie in Marseille: auf der einen Seite der Reichtum der Handelsbourgeoisie, auf der anderen das Elend der MigrantInnen. Hier die Kulturhauptstadt Europas 2013, dort das Rebellennest. In Marseille – Hochburg der Französischen Revolution, Fluchtpunkt zahlloser ExilantInnen, Transitort, Hafenstadt – laufen viele Fäden der französischen Geschichte zusammen und wieder auseinander.

Von hier aus zog 1792 ein kleines rebellisches Bataillon los, um die Pariser RevolutionärInnen zu unterstützen, und sang dabei ein Lied, das später als «Marseillaise» bekannt wurde. Hierher flüchteten später Verfolgte aus dem faschistischen Italien, aus dem franquistischen Spanien, aus Nazideutschland. Hier suchten Menschen aus den französischen Kolonien Zuflucht. Und der Zustrom hält weiter an. Wie war das damals – und wie erfahren die BewohnerInnen dieser kosmopolitischen Stadt den zunehmenden Rassismus? Und welche Ideen haben sie für eine politisch sinnvolle und praktikable Gegenwehr?

Auf dieser WOZ-Reise begegnen Sie Menschen, die sich mit den aktuellen Problemen der Migration und der MigrantInnen heute beschäftigen. Sie treffen AktivistInnen, die Flüchtlingen helfen. Sie erfahren von HistorikerInnen, was während des Zweiten Weltkriegs passierte. Sie debattieren mit Engagierten, die sich islamistischem Terror und Antisemitismus, aber auch antimuslimischen Haltungen widersetzen – und sich gegen die Zerstörung ihrer Quartiere wehren.

Wanderungen und Ausflüge in die Kulturgeschichte gehören natürlich ebenfalls zum Programm.

Sabine Herold

Preis pro Person inkl. Reiseprogramm und Übernachtungen: DZ: Fr. 1370.–; EZ: Fr. 1570.–; im Hostel (Schlafsaal): Fr. 1230.–; nur Programm: Fr. 990.– zuzüglich Zugreise (je nach vorhandenem SBB-Abonnement) zwischen 270 und 365 Franken.

Rebellisches Baskenland: Traditionspflege, Basisinitiativen, Genossenschaften

19. bis 26. September 2015

Fünf Buchstaben genügen: Im Baskenland wissen alle, was gemeint ist. Foto: Pit Wuhrer

In den letzten dreissig Jahren kam das Baskenland nur dann in die Schlagzeilen, wenn es einen Anschlag der Untergrundorganisation Eta gab. Der bewaffnete Konflikt überdeckte alles. Doch das Baskenland hat auch ganz andere Seiten: Kaum irgendwo in Europa sind soziale Bewegungen, Basisgewerkschaften und linkssozialistische Parteien so stark wie hier.

Die Gewerkschaft LAB kämpft für die Rechte der illegalen EinwanderInnen, die zweitstärkste politische Kraft definiert sich als sozialistisch-feministische Unabhängigkeitspartei, fast überall gibt es autonome Jugendzentren, auf Volksfesten hängen die Fotos politischer Gefangener, das linke Wahlbündnis Bildu stellt 120 BürgermeisterInnen.

Linke Inhalte, Traditionspflege und die Forderung nach Unabhängigkeit passen hier offenbar zusammen. Die Franco-Diktatur hat im Baskenland zu einer ganz eigenen Verbindung von Politik und Kultur, von Widerstand und Offenheit, von Tradition und Revolte geführt. Erstaunlich dabei: Die Gegenkultur ist in den kleinen Industriestädten und Bauerndörfern sehr viel sichtbarer als in den Grossstädten.

Was will die baskische Linke? Wie hat sich der Konflikt seit dem Ende der Eta entwickelt? Was bewirken die linken Gemeindeverwaltungen? Welche Rolle spielen Genossenschaften und Nachbarschaftshilfe? Diese und andere Fragen werden wir mit baskischen AktivistInnen diskutieren. Wir treffen Gewerkschafterinnen und linke Bürgermeister, besuchen Zeitungsprojekte, Volksfeste und die Mondragón-Kooperativen, debattieren über die Ursachen des baskischen Konflikts, erkunden symbolträchtige Städte – und entdecken auf diese Weise ein rebellisches Europa, das in den Medien so nie auftaucht.

Raul Zelik

Die Preise der Baskenlandreise können noch variieren. Preis pro Person inkl. Reiseprogramm, ausgewählter Mahlzeiten und Übernachtungen: 
DZ: Fr. 1600.–; EZ: Fr. 1900.–; nur Programm: 
Fr. 1280.–; die Hin- und Rückreise muss individuell organisiert werden.

Das linke Norditalien: Reggio Emilia, Mailand, Bologna

10. bis 17. Oktober 2015

Ziel der Wanderung: die Pietra di Bismantova (Zustieg von hinten). Foto: Pit Wuhrer

Rund eine Million DemonstrantInnen Ende Oktober 2014, dann ein Generalstreik im Dezember: So vehement hat sich die italienische Gewerkschaftsbewegung schon lange nicht mehr einer Regierung widersetzt. Dabei kommt Ministerpräsident Matteo Renzi eigentlich aus dem eigenen Lager. Woher dieser breite Widerstand? Hat er damit zu tun, dass mit Renzis Arbeitsmarktreformen all das beseitigt werden soll, was Ende der sechziger Jahre in langen Auseinandersetzungen von unten durchgesetzt worden war? Steht Italiens Linke vor einem neuen Anfang?

Anfänge hat es in der italienischen Geschichte viele gegeben. Nach dem Sieg der Resistenza 1945 und nach den Kämpfen gegen neofaschistische Umtriebe konnten die Belegschaften der grossen Firmen und die Studierenden im «heissen Herbst» 1969 viele Rechte durchsetzen. Doch die Rechtsradikalen verschärften ihre «Strategie der Spannung» und den Terror. Es gab Putschversuche, Überfälle, zahllose Anschläge und verheerende Bombenattentate (17 Tote in Mailand 1969, 85 Tote in Bologna 1980), die anfangs der Linken zugeschrieben wurden. Parallel dazu nahmen die Brigate Rosse (BR) ihren bewaffneten Kampf auf; die Frage der Gewalt spaltete die ausserparlamentarische Linke.

Erst Mitte der neunziger Jahre konnte die globalisierungskritische Bewegung die Lähmung der bleiernen Zeit nach der Ermordung Aldo Moros 1978 abschütteln – und wurde beim G8-Gipfel in Genua 2001 erneut niedergewalzt.

Auf der Reise nach Reggio Emilia, Mailand und Bologna durchqueren wir die Geschichte der italienischen Linken. Wir besprechen mit ZeitzeugInnen der Resistenza, mit GewerkschafterInnen und KommunistInnen, mit ehemaligen BR-Mitgliedern, AktivistInnen von Lotta Continua und vielen der heute Bewegten die zentrale Frage: Unter welchen Bedingungen und wie kann eine Linke erfolgreich handeln?

Pit Wuhrer

Preis pro Person inkl. Reiseprogramm und Übernachtungen: DZ: Fr. 1580.–; EZ: Fr. 1710.–; Jugendherberge: Fr. 1450.–; nur Programm: 
Fr. 1200.– zuzüglich Zugreise (je nach vorhandenem SBB-Abonnement) zwischen 94 und 
242 Franken.