Indien : Verbesserungen gefordert: Prügelei bei Holcim

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Die Auseinandersetzungen auf einer Grossbaustelle des Schweizer Zementkonzerns Holcim reissen nicht ab. Seit in Jamul im indischen Bundesstaat Chhattisgarh ein neues Zementwerk gebaut wird, kommt es immer wieder zu Konflikten (siehe WOZ Nr. 3/2015 ). Die über 4000 Leiharbeiter schuften unter entwürdigenden Bedingungen für einen miserablen Lohn – und bekommen diesen oft nicht einmal ausbezahlt.

Ende Januar eskalierte die Situation erneut. Ein Leiharbeiter forderte (in Absprache mit den Kollegen) seinen ausstehenden Lohn ein – und wurde dafür von Angestellten des Subunternehmens Haji Baba verprügelt. Daraufhin versammelten sich Beschäftigte vor dem Werktor. Als dann Rajkumar Sahu, Vizepräsident der Zementarbeitergewerkschaft PCSS, Aufklärung verlangte, drohte ihm Sunil Gupta, Manager des Holcim-Erweiterungsprojekts, mit Konsequenzen. Laut dem indischen Leiharbeitsgesetz ist der Auftraggeber verantwortlich, wenn die Subunternehmen arbeitsrechtliche Bestimmungen (etwa die Einhaltung des Mindestlohns) verletzen. In diesem Fall ist der Auftraggeber Holcim.

Der Solidaritätsfonds für soziale Befreiungskämpfe in der Dritten Welt (Solifonds) protestierte nun öffentlich gegen das Vorgehen des Subunternehmens und des lokalen Holcim-Managements. Er forderte die Geschäftsleitung in der Schweiz auf, «sicherzustellen, dass die Gewerkschaft der Leiharbeiter PCSS diese Bauarbeiter vertreten kann» (so die Solifonds-Medienmitteilung). Die Konzernleitung müsse die Missstände rasch angehen. Auch die gewerkschaftlichen Rechte müssten garantiert werden.

In einem anderen Holcim-Werk, Ambuja Cements in Baloda Bazar, steht die Geschäftsleitung seit langem auf Kriegsfuss mit den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten. Dort war es 2011 zu einem schweren Arbeitsunfall gekommen; danach wurden Arbeiter gefeuert und sieben PCSS-Aktivisten unter dubiosen Anschuldigungen verhaftet. Die Ambuja-Werksleitung droht immer wieder mit Entlassung, wenn Beschäftigte eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen fordern.