Nr. 06/2015 vom 05.02.2015

Zur angekündigten Schliessung der NZZ-Druckerei

Das WOZ-Kollektiv

Der Entscheid widerspricht jeglicher Vernunft – verlegerisch, betriebswirtschaftlich, sozial. Trotzdem hält die NZZ-Unternehmensleitung zwei Monate nach der Ankündigung, ihre Druckerei in Schlieren schliessen zu wollen, an ihrem Entscheid fest: NZZ Print soll Ende Juni dichtgemacht, 125 MitarbeiterInnen sollen entlassen werden (siehe WOZ Nr. 5/2015).

Der «finale Entscheid» (Veit Dengler, CEO NZZ-Mediengruppe) ist umso unverständlicher, als die Druckerei seit 2011 auf Hochtouren läuft. Die Auslastung ist gut wie noch nie. Vor wenigen Monaten erhielt der Betrieb einen Grossauftrag der «Coopzeitung» – und liess dafür extra eine neue Maschine aufstellen, finanziert durch Coop.

Die Fakten, die die PersonalvertreterInnen dem Verwaltungsrat und der Unternehmensleitung nach eingehender Analyse der Betriebsunterlagen zum Abschluss des Konsultationsverfahrens im Januar vorgelegt haben, zeigen: Der Entscheid, die Druckerei zu schliessen und daraufhin NZZ und «NZZ am Sonntag» bei der direkten Konkurrentin Tamedia drucken zu lassen, ist nicht nur unnötig, sondern zeugt vor allem von einer sozialen Verantwortungslosigkeit sondergleichen: Für die 125 MitarbeiterInnen – unter ihnen etliche Familienmütter und -väter –, die in Schlieren seit Jahren hochwertige Produkte herstellen, wird es schwierig sein, vergleichbare Stellen zu finden.

Seit sieben Jahren wird die WOZ in Schlieren gedruckt – Woche für Woche schätzen wir dabei die professionelle Arbeit. Selbstverständlich stellen wir uns auf die Seite der Mediengewerkschaft Syndicom, die angekündigt hat, die Angestellten bei allen Bemühungen zum Erhalt der Arbeitsplätze weiterhin zu unterstützen – auch im Fall, dass die Belegschaft streiken und die WOZ womöglich nicht wie gewohnt erscheinen sollte. Auch werden wir unsere KollegInnen weiterhin publizistisch begleiten.

Zunächst, indem wir auf der letzten Seite (siehe auch Seitenspalte der Webseite) die Reihe mit Porträts von MitarbeiterInnen der NZZ-Druckerei fortsetzen. Diese Woche: Marcel Keller, Maschinenführer.

Warum die Schliessung der NZZ-Druckerei strategisch falsch und wirtschaftlich unnötig ist: die Vorschläge der Betriebs- und Personalkommission aus dem Konsultationsverfahren vom 12. Januar 2015: Vorschläge der Betriebs- und Personalkommission, Gewerkschaft syndicom (als PDF-Datei).

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