Nr. 11/2015 vom 12.03.2015

Nervig sein (Teil 2)

Von Susan Boos

Wenn frau an die Macht will, müssen wir heiter und ohne Unterlass nerven, stand in der letzten WOZ. Es muss aber auch berichtet werden, wenn sich etwas bewegt. Und es tut sich einiges: Über 12 000 Menschen gingen am Samstag in Bern auf die Strasse und demonstrierten für Lohngleichheit. 5500 haben zudem binnen weniger Tage das Lohngleichheitsmanifest unterschrieben, das am Montag Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga überreicht worden ist.

Ausserdem verfügt der Kanton Thurgau seit Sonntag über eine Regierung, in der die Frauen die Mehrheit stellen. Das gibt es im Moment nur noch im Kanton Waadt. Und es gab das schon einmal im Kanton Zürich, zwischen 2006 und 2011.

Zürich steht im Moment ohnehin im Fokus, weil gleich drei relevante Frauensitze neu zu besetzen sind: Zwei Regierungsrätinnen (je eine SP und FDP) und die grünliberale Ständerätin treten zurück, die fünf Regierungsräte und der Ständerat kandidieren alle nochmals. SP, FDP und CVP schicken Frauen ins Rennen für den Regierungsratssitz – BDP, EVP und Alternative Liste treten mit Kandidaten an. Wenn es erwartbar läuft, bleiben immerhin die beiden Frauensitze erhalten. Bei den Ständeratswahlen kommt es wohl zu einem Wettkampf unter Männern. Die Bürgerlichen treten mit zwei Männern an, die Grünen portieren Balthasar Glättli, die Grünliberalen stellen Martin Bäumle auf, und die SP will Daniel Jositsch ins Rennen schicken. Damit geht ein weiterer Frauensitz im Stöckli verloren. Das muss nicht sein: Die SP hat Frauen, die besser sind als Jositsch.

Die Zürcher Grünen wurden für ihren Kandidaten von der WOZ schon kritisiert. Derweil die Grünen frauenmässig mancherorts wirklich vorbildlich sind: Ab Juni wird die grüne Fraktion im Nationalrat als einzige Fraktion über eine Frauenmehrheit verfügen, weil ein Mann zurücktritt und eine Frau nachrückt. Im Stadtrat (Legislative) von Bern ist zudem das Grüne Bündnis zusammen mit den Jungen Alternativen mit neun Frauen und damit einer reinen Frauenfraktion präsent. Und rechnet man alle Kantonsparlamente zusammen, haben die Grünen einen Frauenanteil von 51 Prozent. Was gerade richtig ist, da hierzulande 49,4 Prozent Männer und 50,6 Prozent Frauen leben.

Nachtrag zu «Internationaler Frauentag: 
Lasst uns nervig sein» und «Vor den Wahlen 2015: Frauen auf der Ersatzbank» in WOZ Nr. 10/2015.

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