Nr. 13/2015 vom 26.03.2015

Das Ende der Zivilisation

Von Stephan Pörtner

Posthalter Brickentracker sah für die Zukunft schwarz. Für die des Postwesens und damit, seiner unerschütterlichen Überzeugung nach, für jene der menschlichen Zivilisation. Viel zu selten wurde auf den direkten Zusammenhang zwischen dieser und dem Aufstieg des Postwesens hingewiesen. Bevor es die Post gab, wussten die Menschen weder, wo sie wohnten, weil ein Ort ohne Postleitzahl nichts anderes ist als beliebig, noch, wie sie hiessen, denn es gab keinen Briefkasten, an dem diese nützliche Information angebracht war. Die privaten Paketzustelldienste waren in seinen Augen für die steil ansteigende Zivilisationsmüdigkeitskurve verantwortlich und die Orientierungslosigkeit breiter Bevölkerungsschichten nichts weiter als deren geheimer Zweck.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch

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