Nr. 16/2016 vom 21.04.2016

Von Florian Keller

Dengler ermittelt

Wer den Kampf gegen rechts für wichtiger halte als den Kampf gegen islamistischen Terror, so ereiferte sich jüngst eine deutsche Schriftstellerin im Feuilleton der «NZZ», habe einen «gewaltigen Knick in der Optik». Da hätte sie vielleicht erst mal «Die schützende Hand» lesen sollen, den NSU-Krimi ihres Kollegen Wolfgang Schorlau. Privatermittler Dengler untersucht darin den Tod der beiden Neonazis Böhnhardt und Mundlos und zweifelt dabei je länger, desto mehr an der These vom doppelten Selbstmord. Jetzt stellt Schorlau seinen aufwendig recherchierten Roman in Bern vor.

Wolfgang Schorlau in: Bern Buchhandlung LibRomania, Di, 26. April 2016, 19.30 Uhr. Reservation empfohlen über buch@libromania.ch.

Nadja Zela lässt nicht locker

Das muss man sich auch erst leisten können: eine dunkel schillernde Perle wie «Hidden Twin» so weit hinten zu versorgen. Nadja Zela, Zürcher Songwriterin mit Vergangenheit bei Rosebud, kann es sich leisten, auf ihrem schönen neuen Album «Immaterial World». Der Song ist Nummer zehn auf der Platte, ein gedämpftes kleines Wunder von knapp fünf Minuten aus nebligen Toms und einer katzenhaften Klarinette, bei dem man gar nicht recht weiss, wer hier singt: Ist das eine Stalkerin, die dir nachstellt, oder einfach ein sehr hartnäckiger Schutzengel der Liebe? Aber wer würde sich schon eigenhändig einen Finger abschneiden, um ihn als Schlüssel zu deinem Herzen zu benutzen? So oder so: Von dieser Stimme lassen wir uns noch so gerne stalken.

Nadja Zela in: Winterthur Kraftfeld, Mi, 27. April 2016, 21 Uhr (mit Trummer); Biel Le Singe, Fr, 29. April 2016, 21 Uhr; Schaffhausen Kammgarn, Sa, 30. April 2016, 21 Uhr (mit Kassette, Billie Bird und Casiofieber); St. Gallen Palace, Fr, 6. Mai 2016, 21 Uhr (mit The Burning Hell).

Pink Apple mit Léa Pool

Zum Auftakt gibts Drag Queens in Havanna («Viva»), aber der Stargast beim schwullesbischen Festival mit seinen rund 120 Filmen aus 30 Ländern ist eine Rückkehrerin aus Quebec: Léa Pool, Kanadierin aus der Schweiz. Am 19. Pink Apple wird die Regisseurin für ihr Gesamtwerk geehrt, im Zürcher Filmpodium läuft über das Festival hinaus die umfassende Werkschau dazu. Und mittendrin im Programm, als Wunschfilm von Léa Pool, steht der Klassiker, dem sie in «Lost and Delirious» einst die Ehre erwiesen hat: «Mädchen in Uniform» (1958) mit der jungen Romy Schneider, die sich als Internatsschülerin in ihre Lehrerin verliebt.

«Pink Apple» in: Zürich Arthouse Le Paris und weitere Orte, Mi, 27. April 2016, bis Do, 5. Mai 2016; Frauenfeld Cinema Luna, Fr–So, 6.–8. Mai 2016. www.pinkapple.ch

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