Nr. 18/2016 vom 05.05.2016

Dann macht doch andere Regeln!

Etrit Hasler denkt sich neue Qualifikationen für die Fussballnati aus

Von Etrit Hasler

Es ist immer ein historisches Ereignis, wenn die «Fussballfamilie» um ein weiteres Mitglied anwächst. Ich gebe zu, dass ich in diesem Fall nicht ganz unparteiisch bin, da es sich dabei aktuell um meine andere Heimat handelt, den seit 2008 unabhängigen Zwergstaat Kosovo. Dessen Fussballverband soll kurz vor dem Erscheinungstag dieser WOZ offiziell in die Uefa aufgenommen und damit zu den europäischen Wettbewerben zugelassen werden. Die Zeichen dafür stehen gut, und bis Sie diese Zeilen lesen, ist das wahrscheinlich schon Realität.

Wie man schon seit Jahren weiss, würde eine solche Neuanerkennung für SportlerInnen mit kosovarischer Staatsangehörigkeit bedeuten, dass sie einmal den Verband wechseln dürfen, auch wenn sie in der Vergangenheit bereits in einem anderen Nationaltrikot angetreten sind. Diese Tatsache veranlasste unser grösstes Boulevardblatt dazu, erneut die Frage nach der «Kosovo-Angst» zu stellen und dessen Sportchef Felix Bingesser (bekannt für Perlen des kritischen Journalismus wie «Kritik an Blatter langweilt mich») unter dem Titel «Dann geht doch!» verlauten zu lassen, «dass sich Schweizer Nationalspieler mit Land und Leuten identifizieren (sollen). Vorbehaltlos.»

Was genau er damit meint, führte Bingesser leider nicht aus. Ich schlage zur Konkretisierung seiner Forderung folgenden Test vor, den jeder Schweizer Fussballnationalspieler in Zukunft bestehen muss (keine Angst, die Frauen sind absichtlich nicht mitgemeint. Die kriegen ihren Scheiss auch auf die Reihe, ohne dass der «Blick» und ich uns einmischen):

  1. Der mindeste Ausdruck an Verbundenheit mit unserer Nation zeigt sich selbstverständlich im Lernen des Schweizerpsalms – Nationalspieler sollen diesen fehlerfrei in allen vier Landessprachen singen können. Damit es wenigstens elf Menschen in der Schweiz gibt, die das können.
  2. In eine ähnliche Richtung muss es mit der Liebe zur Nationalflagge gehen. Da Fussballer im Allgemeinen tätowiert sind, sollen sie sich gefälligst das Schweizerkreuz tätowieren lassen. Und zwar am besten ins Gesicht, dann bleiben uns die Oben-ohne-Bilder erspart. Wobei natürlich auch klar ist, dass sich Schweizer Nationalspieler zu enger Badekleidung verpflichten müssen. Alles andere ist unschweizerisch.
  3. Im Umgang mit Fans, die unsere Mannschaft beleidigen, darf es in Zukunft nur noch eine Reaktion geben: Man(n) dreht sich um und läuft davon. Dieser sogenannte «kopflose Zidane» wurde einst von Alex Frei perfektioniert und wird inzwischen (leider eher erfolglos) selbst von Bundesrätinnen imitiert.
  4. Als Nachweis der für die Nationalmannschaft verlangten Qualitäten braucht es in Zukunft zwei Bescheinigungen: den «Grossvaternachweis» eines beliebigen SVP-Mitglieds (aus naheliegenden Gründen lieber nicht Christoph Blocher) für die Nationalität und den «Pussynachweis» von Büne Huber für die fussballerische Befähigung.
  5. Sollte sich dennoch ein (zum Beispiel aufgrund von, o Schreck, einer Mischehe durchs Netz geschlüpfter) Albaner, Kosovare oder sonst so ein A-Mensch von da unten nicht davon abhalten lassen, für die Schweizer Nati aufzulaufen, muss sichergestellt werden, dass er unter keinen Umständen ein Adlersymbol anzeigen kann. Am besten, indem man ihm die Daumen stutzt.
  6. Um zu verhindern, dass uns diese Sportler nach dem Ende ihrer sportlichen Karriere auf der Sozialtasche liegen, wofür Sportler und nicht nur Kosovaren geradezu prädestiniert sind, sollen sie verpflichtet werden, schon während ihrer Fussballerzeit eine Ausbildung in einer Branche zu machen, die garantiert, dass sie auch gänzlich ohne vermarktbare Fähigkeiten ihren Lebensunterhalt verdienen können, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft.

Etrit Hasler ist auch Halbaner – wahrscheinlich hat ihm deswegen vor kurzem ein SVP-Kantonsrat unterstellt, er sei vom Staat abhängig.

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