Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Dr. Chauvi

Von Anouk Eschelmüller

Nun hat er ihn also bekommen: Dr. Philipp Gut, Vizechefredaktor der «Weltwoche», wurde am Mittwoch in einer offiziellen Zeremonie der Chauvi-Preis für besonders sexistische, herablassende oder dumme Chauvinisten überreicht. Weit abgeschlagen hinter ihm: Bettina Weber («SonntagsZeitung») und die SRF-«Arena» mit ihrem Moderator Jonas Projer. Zum Oberchauvinisten gekürt haben Gut 543 Personen, die sich am Onlinevoting der Juso beteiligt haben.

Die Auszeichnung ist wenig erstaunlich, kennt Gut sich auf dem Chauvi-Gebiet doch bestens aus: Immer wieder wettert der Journalist gegen Geschlechterquoten und Lohnkontrollen, bezeichnet Genderstudies als unwissenschaftlichen Hokuspokus, klagt über den «weiblichen Linksdrall» und versucht, mit schlüpfrigem Subtext vorzugsweise Frauen fertigzumachen, die der Zeitung nicht genehm sind.

Den unrühmlichen Titel eingebracht hat ihm nun sein Artikel zum Internationalen Tag der Frau. Darin unterstellt der «Genderexperte» Frauen eine tiefere Intelligenz: «Männer denken systematischer. Ihr IQ liegt durchschnittlich leicht höher (gut zwei Punkte).» Ausserdem verweist er auf die «Natürlichkeit» der Geschlechterzuschreibungen: «Schon die körperlichen Merkmale sind augenfällig und prädestinieren Mann und Frau für bestimmte Tätigkeiten.»

Bald dürfte dem «Weltwoche»-Redaktor eine weitere zweifelhafte Ehre zuteilwerden. So steht er demnächst im Fall Philipp Sarasin vor Gericht, den er in mehreren Artikeln bezichtigt hatte, seine heutige Partnerin in den Professorinnenstuhl gehievt zu haben. Mit rund 41 Auszügen aus seinen Texten begründen die StrafverfolgerInnen die Forderung, Gut unter anderem wegen «mehrfacher übler Nachrede» zu verurteilen. Wird er schuldig gesprochen, droht ihm eine saftige Geldstrafe.

Im Fall einer Verurteilung bleibt ihm nun zumindest der goldene Pokal in Form eines Kackhaufens. So oder so verdient der in der «Weltwoche»-Redaktion einen Ehrenplatz. Schliesslich tummeln sich da noch weitere Preisanwärter.

Nachtrag zu «Die Fertigmacher» in WOZ Nr. 21/2016.

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