Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Teilenteignete Autos

Ruedi Widmer rettet die verzweifelten Gegner des Asylgesetzes

Von Ruedi Widmer

Mit der Asylgesetzabstimmung hat das Wort «Enteignung» Eingang in die sogenannte Debatte gefunden. Dieses Argument (das man sich so vorstellen muss, dass Frau Sommaruga an der Tür klingelt, um einem das Einfamilienhaus wegzunehmen) ist fast das einzige, das den Gegnern nach der misslungenen Geschichte mit den Gratisanwälten bleibt, obwohl eine Enteignung von Liegenschaften (allenfalls leer stehenden Fabrikhallen) für Flüchtlinge nur im absoluten Notfall in Betracht gezogen würde.

Für die Gegner ist eben immer Notfall. Die Alarmglocken in ihren Köpfen schrillen durchgehend 24/7. Deshalb können sie nicht schlafen, sind so schlecht gelaunt und unzufrieden mit allem. Einzig mit rassistischen Witzen ist ihnen noch ein Lächeln zu entlocken.

Ein Schreiben von letzter Woche in meinem Briefkasten, das vor der Enteignung von ganzen Landstrichen in der Schweiz warnt, können die Gegner nur anonym abgeben, was ihre Vertrauenswürdigkeit weiter schwächt.

Besonders in Deutschland und Österreich gehen bei den Fremdenfeinden erfundene Geschichten herum, zum Beispiel über Flüchtlinge, die den Bauern Ziegen klauen, um sie zu essen, oder über Gutscheine für Prostituierte, die gratis an Flüchtlinge verteilt werden. Man muss sich das mal vorstellen: Da lügen Rassisten, um ihren eigenen Gesinnungsgenossen Angst einzujagen. Kameradschaft geht anders.

Weil ich aber nicht deren Kamerad bin, darf ich ohne schlechtes Gewissen mein eigenes Lügengeschichtli erzählen. Mir fiel nämlich etwas ein, als ich an einer Reihe parkierter Autos im Stadtzentrum vorbeiging. Das Auto ist das Heiligste für die Menschen, noch heiliger als das Heim und Gott. Viele Autos stehen nach ihrer morgendlichen und abendlichen Verwendung untätig herum. Ganze Parkhäuser sind tagsüber voll bequemer leerer Polstersitze, die erst abends wieder besessen werden.

Das Regime Sommaruga will nun alle Autos der BerufspendlerInnen (es sind Hunderttausende) zur Unterbringung von Flüchtlingen teilzeitlich enteignen. Eine ganz grosse Schweinerei! Sie müssen am Morgen den Flüchtlingen helfen, die in Ihrem Auto in Ihrer Garage übernachtet haben, auszusteigen, fahren dann zur Arbeit, wo auf dem Parkplatz schon die nächste Flüchtlingsfamilie wartet, um den Tag pennend in Ihrem Wagen zu verbringen. Feierabends müssen die Flüchtlinge natürlich aussteigen und ein anderes Auto enteignen, damit Sie nach Hause fahren können, um dort die nächste Flüchtlingsfamilie an Bord zu begrüssen. Was haben Sie nun noch davon, Schweizer zu sein? Sie sind gar kein Schweizer mehr, Sie sind eine Milchkuh. Danke Sommaruga, gute Nacht, Schweiz!

Darf ich Sie bitten, obigen Abschnitt in den einschlägigen Verschwörungs- und Hassforen zu platzieren oder ihn auszudrucken und in die Briefkästen Ihrer NachbarInnen zu stecken? Sie können sich auch in der Fussgängerzone gut sicht- und hörbar aufstellen und den Text laut vorlesen. Vergessen Sie nicht, immer mich als Quelle anzugeben. Das ist alles glaubwürdiger als anonyme Flugblätter. Nur so ist die Gesetzesvorlage noch zu bodigen.

Ruedi Widmer will vielleicht doch lieber anonym bleiben.

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