Nr. 27/2016 vom 07.07.2016

Ein Mäzen von Putins Gnaden

Für Gott, den Zaren – und den Zerfall der Europäischen Union: Eine Begegnung mit dem russischen Oligarchen Konstantin Malofejew.

Von Simone Brunner, Moskau

Konstantin Malofejew Foto: Barkovets

Als Konstantin Malofejews Flugzeug im Winter 2014 in einen Schneesturm geriet, musste die Maschine auf der Krim notlanden. Wenige Wochen später wurde die Halbinsel von Russland annektiert. «Gottes Wille», konstatierte der russische Oligarch damals. Malofejew gibt gerne den Mann der Vorsehung.

Der 42-Jährige sitzt in seinem Büro, hoch oben über den Wolkenkratzern der Moskauer Innenstadt, entrückt vom ewigen Strassenlärm der Metropole. Der blaue Teppichboden verschluckt die Schritte, orthodoxe Ikonen zieren die Regale. An der Wand hängt ein Foto von Patriarch Kyrill I., dem Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, daneben ein Porträt von Zar Alexander III. «Nichts, was ohne Gott aufgebaut wurde, steht lange», sagt Malofejew. Und er prophezeit: «Die EU wird in sich zusammenbrechen wie einst die Sowjetunion.» Da sei es für ihn nur logisch, sich mit jenen Parteien zu verbünden, die für christliche Werte einstünden und gegen die EU kämpften – mit der AfD etwa, der Lega Nord, der FPÖ oder dem Front National.

Teil der «schwarzen Internationale»

Entsprechend gut vernetzt ist Malofejew mit Europas Rechten. Vor zwei Jahren tat er sich mit einem Geheimtreffen rechter PolitikerInnen, Geistlicher und Adliger in Wien hervor. Veranstalterin des Events, an dem unter anderem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache teilnahm, war Malofejews Stiftung. Wenige Monate später lud er zu einer Konferenz in die Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale; mit dabei der Wiener FPÖ-Politiker Johann Gudenus. Extremismusforscher Anton Schechowzow sieht Malofejew als zentrales Bindeglied zwischen Russland und der europäischen Rechten.

Laut Schechowzow knüpfe Malofejew seine Kontakte zwar nicht direkt im Auftrag des Kreml. «Doch er verspricht sich davon, dass seine Kontakte im Putin-Regime positiv aufgenommen werden und ihm im Gegenzug Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen gewährt wird, die von der russischen Führung kontrolliert werden», glaubt der Experte.

Im Kreml ist der Flirt mit der Rechten derweil längst salonfähig. 2014 soll eine russische Bank, die von einem Vertrauten des russischen Präsidenten geführt wird, einen Kredit in Höhe von vierzig Millionen Euro an den Front National überwiesen haben. Und die Parteijugend der Regierungspartei Einiges Russland ging mit der Jugendorganisation der AfD ein offizielles Bündnis ein. «Russland baut in Europa eine Struktur ähnlich dem Konzept der kommunistischen Internationale auf», heisst es in einem Jahresbericht des tschechischen Geheimdiensts BIS. Russische JournalistInnen haben das Bündnis «schwarze Internationale» getauft.

Im Investment- und Telekomgeschäft zu Reichtum gekommen, sieht sich Malofejew als christlicher Mäzen – und trifft damit den Zeitgeist der dritten Amtszeit von Wladimir Putin, in der die orthodoxe Kirche und klerikale Kreise auch politisch an Einfluss gewonnen haben. Malofejew wettert gegen den westlichen Liberalismus und «Gayropa». Er ist ein Mann, der selbst die härtesten Dinge mit Sanftmut ausspricht.

Seine «heilige Mission» hat Malofejew inzwischen auf ein Medienprojekt ausgeweitet: Im Herbst ging sein orthodoxer Fernsehsender Zargrad (Motto: «Das Licht Christi erleuchtet alle») auf Sendung. Präsident Putin hatte Medienprojekte von Oligarchen bisher eher abgewürgt als geduldet, bei Malofejew machte er eine Ausnahme – was nicht zuletzt am ehemaligen Kommunikationsminister Igor Schtschogolew liegen könnte, der ein enger Weggefährte Malofejews und inzwischen Berater des Präsidenten ist.

Das Fernsehstudio ist an bester Moskauer Lage: direkt an der Prachtstrasse Twerskaja, wenige Meter vom Roten Platz entfernt. Die goldenen Kuppeln des Kreml blitzen in der Abendsonne. Männer mit langen Rauschebärten huschen durch die Gänge. Unter ihnen ist auch Chefredaktor Alexander Dugin, Ideengeber der russischen neuen Rechten und geistiger Schöpfer des «Neo-Eurasismus» – der Vorstellung eines Imperiums von Dublin bis Wladiwostok unter der Führung Russlands. Dugin ist auch Anhänger von «Noworossija» (Neurussland) – einem Traum, der mit der Annexion der Krim und der Loslösung des Donbass verwirklicht werden sollte. Sowohl der erste Ministerpräsident als auch der Verteidigungsminister der selbstproklamierten «Donezker Volksrepublik» waren Mitarbeiter von Malofejew.

Auf der EU-Sanktionsliste

Am 30. Juli 2014 wurde Malofejew für seine «engen Beziehungen zu den Separatisten in der Ostukraine und auf der Krim» auf die EU-Sanktionsliste gesetzt, den ukrainischen Behörden gilt er als «Sponsor von Terrorismus». So redselig er über seine rechten Freunde ist, so wortkarg bleibt er über seine Verbindungen in den Donbass. «Kein Kommentar», winkt der Oligarch ab.

Dass er infolge der EU-Sanktionen nicht mehr in den Alpen Ski fahren oder die Salzburger Festspiele besuchen kann, sei schmerzhaft für ihn, räumt Malofejew zum Schluss der Begegnung ein. An einem Treffen Rechtsextremer, das zuletzt in Wien stattfand, konnte er demnach ebenfalls nicht teilnehmen. Doch auf «Zargrad» bekam das Treffen viel Sendezeit. Unter dem Titel «Ein russischer Frühling für Europa».

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