Nr. 42/2016 vom 20.10.2016

Plattform für Norbert Hofer

Von Andreas Fagetti

Ganz so übel wie Lausanne treibt es die Universität Genf nicht: Die Uni Lausanne verlieh dem Diktator Benito Mussolini 1937 die Ehrendoktorwürde und weigert sich bis heute, sie dem Faschisten abzuerkennen.

Das Institut für Internationale Studien der Universität Genf* hat bloss den rechtsextremen deutschnationalen Burschenschafter und österreichischen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer zu einer heute stattfindenden Podiumsdiskussion zum Thema «Can Europe’s Politicians Solve the Migration Crisis» eingeladen. So weit, so zynisch. Mit von der Partie: der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der tschechische Exaussenminister Karel Schwarzenberg und Carol Batchelor, eine Direktorin des UHNCR.

Jetzt fordern StudentInnen des Instituts dessen Leiter Philippe Burrin auf, Hofer wieder auszuladen. Die Präsenz des fremdenfeindlichen und islamophoben Politikers stehe im Widerspruch zu den Werten und der Weltoffenheit des Instituts. Der FPÖ-Mann befeuere mit seinen Ansichten die Flüchtlingskrise und die Hetze gegen Minderheiten. Einem solchen Politiker dürfe eine Universität keine Plattform bieten.

Das Plattformargument überzeugt selten. Aber in diesem Fall trifft es: Was soll ein Demagoge vom Schlag eines Hofer, der soziale Grundrechte nur noch ÖsterreicherInnen und EU-BürgerInnen zubilligt und als Staatspräsident Regierung und Parlament nach Lust und Laune dreinreden möchte, an einer Universität? Was hat ein übler Nationalist an einem Ort zu suchen, der dem Universalen verpflichtet sein sollte? Nichts. Denn Hofer anerkennt ja gerade das Universale nicht an, er grenzt aus, die Grundrechte sieht er als Herrenrecht. Die Institutsleitung macht Hofer mit ihrer Einladung salonfähig und tut so, als handle es sich um eine gewöhnliche kontradiktorische Veranstaltung, als wären dessen Positionen diskutabel. Oder werden in solchen Runden demnächst neben Hofer auch Frauke Petry und Marine Le Pen den Ton angeben? Diese Leute sollen ihre Ansichten in der von ihnen verunglimpften «Lügenpresse» verbreiten, aber gewiss nicht auf einem Campus. Gut: Ganz neu ist das ja eben nicht.

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