Wichtig zu wissen : Die Laugh University

Nr.  6 –

Ruedi Widmer über Lachen nach Trump

Nachdem Erdogan vielen das Satiregeschäft vermiest hat, wird es mit US-Präsident Bannon nicht einfacher. Lässt sein Gehilfe Trump einen Tweet fahren, sind eine Stunde später alle möglichen Witze auf Facebook, Twitter und Instagram gemacht. Gleichzeitig ist das Trump-Thema so dominant, dass die Leute über gar nichts anderes mehr nachdenken oder lachen können.

Aber eigentlich habe ich wie die meisten, die ich kenne, einfach Angst. Auch ich denke von morgens bis abends nur noch an Trump. Ich beginne Texte, die nach zwei Wörtern schon bei Trump sind (stimmt gar nicht, sie sind nach zwei Wörtern bei Erdogan), ich zeichne etwas, und kaum ist ein Kopf fertig, kommt mir die Idee, die Haare von Trump drauf zu zeichnen. Dann täusche ich mir selbst einen Lachanfall vor.

Kurz denke ich noch an Sean Spicer, den Pressesprecher aus der Muppet Show, oder an den Goldman-Sachs-Leninisten mit den Mitessern im Gesicht oder an die Märchentante Kellyanne Conway («Bowling Green Massacre»). Warum heisst die eigentlich gleich wie der Präsidentenherausforderer aus «House Of Cards»? Will sie auch Präsidentin werden? Und schon ist es vorbei, weil man die Antworten und Witze dazu in fünf Sekunden googeln könnte.

Ich, nein wir alle zusammen müssen Satire neu denken. Wir müssen eine eurozentrische Satire etablieren. In Europa passiert viel! Vielleicht muss François Hollande nochmals fünf Jahre Präsident sein, weil seine Herausforderer zu viel Geld haben (Fillon) oder bald keins mehr (Le Pen). Am Schluss muss es die Sozialdemokratie richten mit Hamon. Doch geht das überhaupt, wenn gleichzeitig Schulz Bundeskanzler wird? So fällt die EU ja gar nicht richtig auseinander …

Nein, Satire ist vielleicht in der kleinen Schweiz sehr gut aufgehoben, weil da ein Nationalrat seit neuestem jeden verklagt, der ihn beleidigt, womit Oberwil-Lieli irgendwie am Bosporus liegt.

Wir müssen lustiger sein, noch verrückter, auch schneller. Wir müssen Workshops organisieren, das Lachen erforschen, das Komische durchleuchten. Wir müssen die Sache ernst nehmen. Schluss mit spontanen Sprüchen, die nicht analysiert und im Fachgremium besprochen worden sind. Schluss mit Witzchen über Politiker, die wir gar nicht richtig kennen.

Eine Satire, die auch Bundesgelder lockermachen und einen Lehrstuhl einrichten kann, verlangt eine Professionalisierung. Wir müssen einen Johann Schneider-Ammann einladen, um mit ihm sein Humorpotenzial gemeinsam herauszuschälen. Schneider-Ammann kennt sich selber am besten, nur er kann uns davon erzählen, wo er sich selber satirisch sieht.

Ich sehe schon, wie die Kollegen die Nase rümpfen und sich fürchten, ihr bequemes Leben am Zeichen- oder Schreibtisch aufgeben zu müssen. Ja, dann habt Angst. Das ist gut. Ihr seid im Grunde nicht besser als Trump, der auch einfach so daherdekretet, wie ihr herumkritzelt. Wir haben es hier offensichtlich mit einer Humorelite zu tun, die das Publikum nicht mehr sieht. Sinkt die Professionalität in der Politik, dann muss sie bei uns umso mehr steigen.

Natürlich wird es schwierig werden, weltweit gefragte und streng arbeitende Personen wie Erdogan oder Trump an unsere Humor Academy oder Laugh University einzuladen. Wenn das nicht geht, dann lassen wir es sein, über diese Menschen Witze zu machen. Kommt dazu, dass es schon politisch nicht in Ordnung ist, Obamas schwarze Haut als gottgegeben zu akzeptieren und gleichzeitig über Trumps orange Haut zu spotten und sogar zu sagen, er sehe wie ein Orang-Utan aus. Das ist hochgradig unprofessionell, denn Trump sieht sich selber garantiert nicht als Orang-Utan, und Satire verlangt letztlich die Kenntnis der Wahrheit, um daraus überhaupt etwas Komisches machen zu können. Trump sieht sich vielleicht als potenter Mann, als Held. Wenn man das weiss, dann kommt man nicht auf die Idee, ihn einen Orang-Utan zu nennen.

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur.