Nr. 14/2017 vom 06.04.2017

Standhaft im Frühling

Von Stephan Pörtner

Um der Frühlingsmüdigkeit wirksam vorzubeugen, empfiehlt es sich, bereits beim kaum wahrnehmbaren Knospen scheinbar abgestorbener Gartensträucher rigoros auf den Aufenthalt im Freien zu verzichten. Lassen Sie sich keinesfalls von den Sonnenstrahlen, die sich so trügerisch durch die Gassen schleichen, nach draussen locken, wo sich zudem noch eine geradezu ekelhaft klebrige Zuversicht breitmacht, die nur lähmt und verwirrt. Schliessen Sie Vorhänge und Fensterläden, meiden Sie Mitmenschen, und bleiben Sie standhaft. Arbeits- und Einkaufswege sind möglichst kurz zu halten und nicht mit dem Fahrrad oder zu Fuss zurückzulegen. Benutzen Sie Tram und Bus, wo sie eher mit Erkältungsviren als Frühlingsgefühlen angesteckt werden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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