Nr. 15/2017 vom 13.04.2017

Sprayen für den Frieden

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Zögerlich setzt die alte Frau die Spraydose an. Doch immer fester wird der rote Farbstrahl, immer entschlossener macht sie sich an der Bauabschrankung zu schaffen, auf der das Logo der Schweizer Nationalbank prangt. Die Szene erinnert an «Gwaltbereiti Alti» von Stahlberger. Auf dem Höhepunkt einer längst vergessenen Diskussion über Jugendgewalt hatte die Band vor AHV-BezügerInnen gewarnt: Ob in den Bergen, im Coop oder am Konzert, überall seien die Alten in der Mehrheit – und gebärdeten sich entsprechend aggressiv.

Die Frau hier am Zaun ist allerdings in friedlicher Mission gekommen. Louise Schneider macht sich seit ihrer Kindheit im Zweiten Weltkrieg für den Frieden stark. Vor zehn Jahren meinte sie in einem Porträt in der WOZ: «Ich bin einfach überzeugt, und mit dieser Überzeugung werde ich ins Grab gehen: Jede Waffe und jeder Soldat auf dieser Welt sind zu viel.»

«Geld für Waffen tötet» sprayt die heute 86-Jährige in Grossbuchstaben unter das Logo der Nationalbank. Nur einmal wird sie kurz unterbrochen. «Louise, es isch äs E!», hört man den grünen Politiker Jo Lang rufen. Schneider ergänzt den fehlenden Strich, dann ist das Werk vollendet. «Schweizerische Nationalbank – Geld für Waffen tötet»: Die Botschaft der neuen Kriegsgeschäfteinitiative der GSoA ist auf den Punkt gebracht. Sie fordert ein Anlageverbot für die Nationalbank und Pensionskassen bei Rüstungsfirmen (vgl. «Subtil und hoffentlich gefährlicher»).

Nach der Aktion wird Louise Schneider von der Polizei zur Kontrolle auf den Posten gebracht, eine Stunde später aber wieder freigelassen. Die Aufnahmen ihres Graffitis sind da schon ein viraler Hit. Die Begeisterung über Louise Schneiders Aktion erinnert an den Erfolg des Videos der 89-jährigen Holocaust-Überlebenden Gertrude, die vor der österreichischen Präsidentschaftswahl in eindringlichen Worten für Alexander van der Bellen geworben hatte. Wenn es um den Einsatz für den Frieden und die Menschenrechte geht, ist auf die Alten Verlass. Zumindest auf die Frauen.

Noch ein gutes Zitat von Louise Schneider: «Die Armee ist doch das Dümmste, was es gibt.»

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