Nr. 16/2017 vom 20.04.2017

E171 – nein danke!

Von Franziska Meister

«Wie gefährlich ist E171?», fragte die WOZ vor zwei Wochen. Der Lebensmittelzusatz aus Titandioxid (TiO2) gerät vor allem aufgrund der darin enthaltenen Nanopartikel zunehmend unter Beschuss. Zuletzt hatte eine Studie an Ratten Hinweise darauf geliefert, dass E171 sogar in Dosen, wie wir sie täglich mit Kaugummi und andern Süssigkeiten zu uns nehmen, karzinogen sein könnte. Daraufhin hat die französische Lebensmittelbehörde Anses diese Studie im Auftrag der Regierung genauer unter die Lupe genommen, um herauszufinden, ob die europäische Lebensmittelbehörde Efsa ihre erst 2016 erneuerte Unbedenklichkeitserklärung von E171 überarbeiten muss. Jetzt ist der Bericht erschienen, und die kurze Antwort lautet: ja.

Allerdings, so die Anses, rechtfertigten die Hinweise aus dieser Studie allein noch keine Neubewertung von E171. Dazu müssten sie mit ergänzenden Experimenten bestätigt werden. Gleichzeitig betont die Anses aber, eine genauere Abschätzung möglicher Gesundheitsrisiken von E171 sei dringend notwendig, weil bereits neue Studien, an denen sie mitbeteiligt war, vor der Publikation stehen. Diese zeigen offenbar, dass die in E171 enthaltenen Nanopartikel die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Und das ist, medizinisch gesprochen, ein No-Go.

Überhaupt, so die Anses, habe sie bereits 2014 aufgezeigt, dass genügend Hinweise auf eine toxische Wirkung von TiO2-Nanopartikeln vorlägen, um eine Klassifizierung gemäss der neuen EU-Chemikalienverordnung zu rechtfertigen. Was nichts anderes bedeutet, als dass auf der Verpackung in Worten und mit Piktogrammen (vom Kreuz bis zum Totenschädel) auf die potenzielle Gefahr des Inhaltsstoffs hingewiesen werden müsste. Auch das ist ein No-Go – zumindest für die Lebensmittelindustrie.

Ihr empfiehlt die Anses denn auch deutlich, sie solle sich reiflichst überlegen, ob sie Lebensmittelzusätze, die Nanopartikel enthalten, überhaupt auf den Markt bringen wolle, solange deren mögliche Gesundheitsrisiken nicht bekannt seien. Seien die Vorteile solcher Zusätze nicht klar zu beweisen, solle im Interesse von Mensch und Umwelt auf sie verzichtet und stattdessen auf Produkte ohne Nanomaterialien gesetzt werden.

Nachtrag zum Artikel «Nanopartikel in Lebensmitteln: Wie gefährlich ist E171?» in WOZ Nr. 14/2017.

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