Nr. 33/2017 vom 17.08.2017

Linke, schaut auf das Land!

Von Bettina Dyttrich

«Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen … und die Akropolis gleich mit!», höhnte die «Bild»-Zeitung 2010. Der griechische Geograf Costis Hadjimichalis zeigt: Der Ausverkauf läuft längst – mit dramatischen Folgen.

Beim Stichwort «Landraub» denken die meisten wohl an den Globalen Süden, wo sich Konzerne und reiche Staaten grosse Ackerflächen unter den Nagel reissen. Im Norden seien die geraubten Flächen zwar kleiner, aber umso wertvoller, schreibt Hadjimichalis. Und es geht in Griechenland nicht in erster Linie um Agrarland, sondern um Verkehrsinfrastruktur (bekanntestes Beispiel: der Hafen von Piräus, an dem die chinesische Reederei Cosco die Mehrheit gekauft hat), um Energieanlagen, Bergbaugebiete und vor allem um Tourismusprojekte.

Die Schuldenkrise macht Griechenland zum Traumland für SpekulantInnen: Das Schuldenregime schwäche den Staat, lasse die Bevölkerung verarmen und den Tauschwert von Land fallen, schreibt der Autor. Gleichzeitig schaffe es «ein günstiges Umfeld für spekulative Investoren». Mit den neuen Gesetzen, die die «Troika» Griechenland aufgezwungen hat, sind Verkäufe im Schnellverfahren möglich.

Hadjimichalis zeigt aber auch, dass manches lange vor der Krise begann: Es gibt in Griechenland kein nationales Kataster; auf viele Flächen erheben mehrere Parteien Anspruch. Die Bevölkerung machte sich die Verwirrung zunutze und erstellte massenhaft illegale Bauten, während die Regierenden wegschauten. Diese Praxis habe den Klientelismus gestärkt, schreibt Hadjimichalis – und vor allem habe so kein Bewusstsein für den Wert des öffentlichen Landes entstehen können. Zumindest das hat sich mit der Krise geändert.

Wie die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran betont auch Hadjimichalis: Linke, schaut auf das Land! Denn Land und Grundrente «verdichten und entlarven Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen. Es ist das Land, in das gesellschaftliche Ungerechtigkeiten deutlich sichtbar und für alle klar verständlich eingeschrieben werden.»

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