Nr. 34/2017 vom 24.08.2017

Weg vom Dorf, in der Versenkung

Von Adrian Riklin

Und weiter warten Fahrende, die aus dem Ausland kommen, auf einen definitiven Transitplatz im grossen Kanton Bern. Zunächst hatte der Grosse Rat vor einem Jahr den Kredit für einen Platz in Meinisberg zurückgewiesen. Dies, nachdem der Widerstand in der Gemeinde immer grösser und gehässiger geworden war.

Diesen Juli schien sich endlich eine Lösung abzuzeichnen: Das Bundesamt für Strassen (Astra) hatte sich bereit erklärt, dem Kanton ein Areal an der A1 in der Gemeinde Wileroltigen abzutreten. Doch auch in Wileroltigen regte sich massiver Widerstand. In einem «Aufruf an die Bevölkerung» schrieb der Gemeinderat, dass er zum Schluss gekommen sei, dass der geplante Transitplatz für die Gemeinde «keine erkennbaren Vorteile» mit sich bringen würde. Er habe entschieden, den Transitplatz «mit all seinen zur Verfügung stehenden Mitteln» zu bekämpfen: «Der Gemeinderat zählt dabei auf Ihre Unterstützung!»

Vorletzten Donnerstag sind die bis zu 500 ausländischen Fahrenden, die bereits diesen Sommer neben dem Autobahnrastplatz Zwischenhalt machten, vorzeitig weitergezogen, nachdem ihnen GemeindevertreterInnen und der Berner Regierungsstatthalter am Mittwochnachmittag ein Ultimatum bis zum letzten Wochenende gestellt hatten. Vorläufiger Höhepunkt der Berner Antiziganismusspiele: Eine vom Berner Bleiberecht-Kollektiv auf den Erscheinungstag dieser WOZ geplante «Kundgebung gegen Antiziganismus» in Wileroltigen hat der Gemeinderat nicht bewilligt. «Aus Sicherheitsgründen» – ebenso wie ein zuvor geplantes Volksfest gegen Fahrende, das online viel rassistischen Zuspruch erhalten hatte.

Was nun, Kanton Bern? Christoph Neuhaus (SVP), der zuständige Regierungsrat, antwortet: «Nach der Ablehnung des Kredits für Meinisberg von 9,5 Millionen Franken gab der Bernische Grosse Rat den Auftrag, diesen Platz entweder deutlich günstiger oder andernorts einen günstigeren Platz zu realisieren. Dieser Auftrag gilt.» Das Amt für Gemeinden und Raumordnung werde nun abklären, «zu welchen Bedingungen auf diesem Gelände an der A1 – mindestens vierhundert Meter weg von Wileroltigen, in einer Senke, also auch nicht sichtbar – ein Transitplatz für ausländische Fahrende gestaltet werden kann». Auf die kommende Saison hin, so Neuhaus, würden zudem zwei kleinere, provisorische Plätze im oberen und unteren Seeland gesucht.

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